🎲 Retro-Rollenspielhimmel 🎲
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Re: 🎲 Retro-Rollenspielhimmel 🎲
von Lapislazuli am 03.10.2026 08:05Mit brachialer Gewalt rammte sie ihren Speerschaft in den Boden, um sich freiwillig zu melden. Ihre Lieblingswaffe, veredelt mit dem seltenen Solevit, vibrierte stumm in ihrem festen Griff ohne einen Kratzer, der makellose, weiße Marmor unter ihr hatte nicht so viel Glück. Doch niemand achtete auf das feine Spinnennetz aus Rissen, sie hatten Wichtigeres zu tun.
»Sho-Lynn, bist du dir sicher?«, fragte die drohende Präsenz, die überall und zugleich nirgends war.
»Ja.« Dieses einzelne Wort genügte, um ihre Brüder und Schwestern in Staunen, aber auch in Ungläubigkeit zu versetzen. »Ich melde mich freiwillig für den Fall.«
Es war das Ende von ihr und sie wusste es.
Sie hätte Angst haben müssen, doch da war nur wilde Entschlossenheit. Sie würde seine Heerscharen bekämpfen. Sie würde brennendes Blut vergießen, Gliedmaßen abtrennen und Köpfe spalten. Ihr Speer leuchtete rot und machte ihre Wut sichtbar. Kein Mensch sollte mehr unter seinen Kindern leiden. Das Ende der Dämonen war endlich gekommen!
Noch einmal ließ sie ihre stechend silbernen Augen über die stumme Schar gleiten; sie waren alle hier. Mil’ha, Soreleija und sogar Domiir, obwohl Letzterer sie nie hatte leiden können. Dennoch ließen sie Sho-Lynn nicht alleine, sondern begleiteten sie zu ihrer letzten Reise.
»Möget ihr immer im Licht tanzen.«
»Wenn es sein Wille ist«, kam es unisono von den Dreien. Die Abschiedsworte waren alt und noch immer mächtig, Sho-Lynns Flügel zitterten, bevor sie sich umwandte, einen tiefen Atemzug nahm – und ins Leere trat.
Die Kälte riss wie ein hungriges Tier an ihrer Haut, ihrer Kleidung und brannte auf ihrem Körper. Ihre hellen Haare flackerten wie ein weißes Leuchtfeuer hinter ihr und markierten ihren Sturz, ihren Fall.
Instinktiv wollte sie ihre Flügel öffnen, sich erhaben aufschwingen und auf einem Luftstrom reiten, so wie es natürlich für ihre Spezies war.
Stattdessen presste sie ihre Federn fest an sich und fiel, und fiel, und fiel.
Erst als nach endloser Zeit der Boden in Sicht kam, der Lautpegel anstieg und sie den Atem der Erde schmeckte, breitete sie ihre Schwingen aus, um ihren Fall abzubremsen.
Die Landung war dennoch hart und nur dank ihres himmlischen Blutes war sie vor Knochenbrüchen bewahrt geblieben. Sie musste hart im Nehmen sein, um es mit Dämonenbrut aufnehmen zu können.
Ihre verkrampften, kalten Finger brauchten extra Überredungskunst, um sich von ihrem Speer zu lösen, doch nach einer Weile klappte es.
Sho-Lynn sah sich suchend um, bereit sich dem ersten Angreifer wütend entgegen zu werfen.
»Hallo? Geht es Ihnen gut?«, eine zarte Stimme hinter ihr und Sho-Lynn schoss überrascht in die Höhe.
»Oh, was für schöne Flügel!«, sagte die alte Dame bewundernd. »Ich habe heute schon ein paar davon gesehen.« Mit runzligen Fingern zeigte sie in eine Richtung. »Wie nennen das die jungen Leute heutzutage? Ach ja, Convention. Irgendwas mit Computerspielen und, ach was, das wissen Sie am besten selbst.« Ihr Lachen war warm und weich, ganz anders als die Schmerzensschreie, die sich Sho-Lynn immer ausgemalt hatte.
»Kommen Sie, ich bring’ Sie hin. Hier im Park kann man sich leicht verlaufen.«
Jaaaa, das war mein allererster Charakter überhaupt für RPGs. Ein Engel namens Sho-Lynn. Ich glaube ich hatte in einem Gruppen-RP in irgendeinem Forum nur einen Post mit ihr gemacht, bevor es wieder gelöscht wurde. Sie hatte seither nie wieder einen Einsatz. Schade irgendwie, denn ein verbohrter Engel, der so über die Maßen mit der Menschenwelt überfordert ist und eigentlich etwas ganz anderes erwartet hat, wäre sicher lustig zum Schreiben xD
because he was never loved,
but he loved nonetheless.
Re: 🎲 Retro-Rollenspielhimmel 🎲
von Anticonformist am 04.10.2026 10:30needs aligning
Nach all den Jahren, verblassten Erinnerungen und nicht verheilten Wunden standen sie sich wieder gegenüber – zwei Menschen, die einst die ganze Welt füreinander bedeuteten und sich dann im Chaos des Erwachsenwerdens verloren hatten. Zwei Fremde, die sich aufgrund dieses unsichtbaren Bandes ihrer gemeinsamen Vergangenheit näher standen als sonst. Zwei Freunde, die in der Stille zwischen ihren Worten alles sagten, was ungesagt geblieben war. Zwei Liebende, deren Herz nie aufgehört hatte, für das des anderen zu schlagen.
Miles hielt die Luft an. Nahezu Halt suchend grub er seine Hände in die Jackentasche. Seine Finger tasteten dabei unbeholfen und ziellos über den Stoff; solange, bis sie auf etwas Kühles, Hartes trafen. Er hielt inne.
Der Ring.
Er hatte ihn all die Jahre behalten. Nicht, weil er wirklich geglaubt hatte, dass dieser Tag jemals kommen würde. Sondern weil ein Teil von ihm nie aufgehört hatte, darauf zu hoffen. Und jetzt? Jetzt schien der Tag gekommen zu sein. Jetzt lag er warm in seiner Handfläche, während sie nur wenige Schritte von ihm entfernt stand.
Er spannte kaum merklich den Kiefer an, atmete einmal tief und lautlos durch die Nase ein und zwang die drohende Erschütterung in seinem Inneren zur Ruhe. Seine Augen brannten, und für den Bruchteil einer Sekunde drohten die Tränen ihn zu überwältigen. Doch mit jahrelang erprobter Beherrschung schaffte er es, sich nach außen hin nichts anmerken zu lassen – kein einziges sichtbares Zittern in seinen Gesichtszügen zuzulassen.
Stattdessen wandelte sich der feuchte Schimmer in seinen Augen. Um seine Augenwinkel bildeten sich sanfte, warme Lachfältchen, in denen sich eine ehrliche, tiefe Freude spiegelte – ein strahlender Glanz, der all den Schmerz für einen Moment überstrahlte.
Er war derart ergriffen von ihrer Anwesenheit, dass ihm jedes Wort zu klein erschien. So viel hatte er sich vorgestellt, ihr in diesen Moment zu sagen, sollte er sie jemals wirklich wiedersehen... So viele Worte, die er sich in einsamen Nächten zurechtgelegt hatte... Und jetzt? Jetzt war nichts davon übrig. Nur dieses überwältigende Gefühl, sie endlich wieder vor sich, nein, bei sich zu wissen.
you can confide in
Und dann stahl sich ein hauchdünnes, zitterndes Lächeln auch auf ihre Lippen – ein Lächeln, das all die Jahre der Trennung aufzulösen schien und ihn genau dort traf, wo es sich einst tief eingebrannt hatte. Es war ein Lächeln, das die Erinnerung an verregnete Nachmittage auf dem Rücksitz ihres Autos, an Nächte auf dem Dach unter freiem Sternenhimmel und den süßen Geschmack von Froyo an unbeschwerten Sommertagen weckte.
Oh, wie sehr er es vermisst hatte.
Gleichzeitig lag eine schmerzhafte Schwere darin. Mit jedem vertrauten Zug in ihrem Gesicht kehrte nicht nur das Glück von damals zurück, sondern auch der leise, brennende Nachgeschmack all der verpassten Jahre.
Es war wunderschön und zugleich kaum auszuhalten – bittersüß, wie die verblassten Fragmente einer Welt, die einst die ihre gewesen war und nun, Erinnerung für Erinnerung, langsam wieder zum Leben erwachte.
Er ging auf sie zu. Langsam, beinahe quälend bedächtig – einzig aus dem verzweifelten Bemühen heraus, nicht einfach loszustürmen. Die gewaltige, beinahe brachiale Anziehung, die von ihr ausging, war kaum noch zu bändigen; jeder Instinkt in ihm verlangte danach, die verbliebene Distanz mit einem einzigen Schritt zu überwinden, sie endlich wieder bei sich zu spüren. Doch er stemmte sich gegen diesen Impuls. Zwang sich, jeden Schritt bewusst und langsam zu setzen, um sie nicht zu überrumpeln und diesen kostbaren, elektrisierenden Moment nicht durch unbedachte Hast zu zerstören.
Als er schließlich vor ihr zum Stehen kam, zögerte er aber nicht länger. Es brauchte keine behutsamen Worte, keine vorsichtigen Gesten mehr, um den Abgrund zwischen ihnen zu überbrücken. Miles zog sie einfach an sich. Mit einem Mal löste sich die unerträgliche Spannung auf. Ihre Arme schlangen sich wie von selbst um seinen Nacken, während seine Hände sich fest an ihren Rücken schmiegten – so, als wolle er sie nie wieder loslassen.
Die vorsichtige Distanz zerbrach in tausend Teile und wich der vertrauten Nähe zweier Menschen, die sich viel zu lange vermisst hatten. Sie versanken ineinander, beinahe so selbstverständlich, als hätten ihre Körper nie vergessen, wie perfekt sie zusammenpassten. Sie hielten einander fest. Stumm, atemlos, als könnten sie in dieser einen Umarmung all die verlorenen Jahre nachholen, in denen sie vergeblich versucht hatten, genau das zu vergessen, was sie nun wieder miteinander teilten.
Erst als das stürmische Pochen in seiner Brust langsam einem ruhigeren Herzschlag wich, löste Miles sich behutsam ein wenig von ihr. Nicht weit – nur gerade so viel, dass er sie ansehen konnte. Mit zitternden Fingern griff er in schließlich in seine Jackentasche und kramte den Ring hervor.
Kaum war ihr Blick auf diesen gefallen, veränderte sich ihr Gesicht schlagartig. All die Beherrschung, die sie bis dahin krampfhaft aufrechterhalten hatte, zerbrach. Ihre Lippen zitterten unkontrolliert, ein leises, brüchiges Schluchzen entwich ihrer Kehle, und die ersten schwere Tränen sammelten sich in ihren Augen.
Miles sah sie einfach nur an. Er musste nichts sagen. Das kleine Goldstück zwischen seinen Fingern erzählte ihre gemeinsame Geschichte laut genug – und offenbarte ohne jeden Zweifel, dass das letzte Kapitel noch nicht geschrieben war.
Sie lächelte durch ihren eigenen Tränenschleier hindurch – ein gebrochenes, ungläubiges, wunderschönes Lächeln. Und in demselben Augenblick, in dem die erste heiße Träne sich einen Weg über ihre Wange bahnte, tat er es ihr gleich, und das Gewicht der Vergangenheit sowie die Erleichterung der Gegenwart zierten nun auch seine Wangenknochen.
Er schloss die Arme wieder um sie und zog sie mit aller Kraft an sich. Spürte schließlich ihre Tränen durch den Stoff seines Hemdes, hörte ihr leises, verzweifeltes Schluchzen – und plötzlich war da nichts mehr von der Beherrschung, die ihn so lange getragen hatte. All die Sehnsucht, all die ungelebten Jahre, all die Fragen, auf die er nie eine Antwort bekommen hatte, schienen in diesem einen Augenblick über ihn hinwegzuschlagen. Seine Arme schlangen sich nur noch fester um sie. Er wollte sie nie wieder loslassen. Nie wieder gehen lassen.
Die verstrichenen Jahre verloren mit jedem einzelnen Herzschlag ihre Macht, und der alte, stumme Schmerz fraß sich vollends ins Nichts. Da war nur noch das Beben ihrer Körper, der Takt ihrer Herzen – und die erschütternde, erlösende Gewissheit, nach einer Ewigkeit im Dunkeln endlich wieder zueinander gefunden zu haben. Zurück zu jenem Licht, das sie einst gemeinsam entfacht hatten und in all den Jahren der Dunkelheit nie erlöschen ließen.
Seeking & Hiding
you know where to find me, babe
🍦
Dieses Event hat mich komplett nostalgisch gemacht. 🥹 Irgendwie hat es all diese alten Herzschmerz-Szenen wieder hervorgeholt und mich so sehr von der Stimmung mitreißen lassen, dass ich dieses alte RS kurzerhand noch einmal mit ganz viel Liebe zum Leben erwecken musste.
Miles ist tatsächlich einer meiner allerliebsten Charaktere... und dieses Rollenspiel... puhhh.
Es ist einfach aus einem Vibe und Musik entstanden, hat mich einfach dermaßen gecatcht und mitfiebern bzw. mitleiden lassen, als würde ich gerade selbst eine Trennung durchleben. 🥲❤️
Also ja. Absolutes Heartbreak-RS.
Musik war damals ein wesentlicher Bestandteil unseres Plays - auch die Zitate stammen aus einem Lied, welches sich in unserer Heartbreak-Anthem Playlist befindet. Deshalb gehört es für mich irgendwie untrennbar zu dieser ganzen Stimmung und zu Miles & Lika dazu.
Y’all can enjoy it for the mood – falls das hier überhaupt jemand liest und sich das Lied tatsächlich anhört.
Jedenfalls DANKE ich ganz herzlich für die Möglichkeit, das nochmal erleben zu dürfen. Und shout-out an dieser Stelle an meine großartige Schreibpartnerin, die das alles mit mir ins Leben gerufen hat. Ily @tintenfeuer. <3
and if you're reading this, girl, THIS one's for you:
Anti out (crying).
#ENDSPOILER#

Re: 🎲 Retro-Rollenspielhimmel 🎲
von Saphyr am 04.10.2026 18:28Rubina wusste nicht, wie lange sie schon wach war. Um sie herum war es dunkel. Sie konnte sich nicht bewegen. Ihr Körper war mit Ketten gefesselt. Beide Arme seitlich ausgestreckt, hing sie aufrecht an einer Wand, ihre Flügel eingequetscht und nutzlos. Sie spürte sie kaum noch, bis auf einen dumpfen Schmerz. Unter ihren nackten Füßen befand sich rauer Stein. Irgendwo tropfte Wasser rhythmisch auf den Boden und das Geräusch hallte.
Sie musste sich in einer Höhle befinden. Und die Ketten, die sie hielten, waren keine gewöhnlichen Ketten. Sie spürte deutlich die summende Magie, die sie gefangen hielt. Aber wie war sie hier hergekommen, wie lange war sie bereits hier und warum? Jeder klare Gedanke, den sie fassen wollte, entglitt ihr sofort wieder.
Sie streckte die Finger und die Zehen, um das taube Gefühl in ihnen zu lindern...und erstarrte. Zuvor war jeder ihrer Muskeln wie paralysiert gewesen. Sie brachte nicht einmal einen winzigen Laut aus ihrem Mund. Rubina bewegte wieder ihre Finger und obwohl es sich ungewohnt, gar unnatürlich anfühlte, dies zu tun, so konnte sie doch den Stein ihres Gefängnisses ertasten. Sie hörte ihren eigenen Atem auf einmal laut und schnell.
Plötzlich erklang ein leises Knirschen, dann ein Krachen. Die ganze Höhle schien zu beben. Plötzlich gab das Eisen und die Magie, welche Rubina aufrecht gehalten hatten, nach und sie fiel hart zu Boden. Rubina ächzte vor Schmerz. Einige Zeit lag sie einfach nur da, desorientiert, verwirrt und hilflos. Langsam kehrte das Gefühl in ihre Arme und Beine zurück. Ihre Flügel prickelten unangenehm, während sie sich deren Existenz als Teil ihrer selbst immer mehr bewusst wurde. Das Siegel, wurde ihr irgendwann klar, es musste gebrochen sein.
Unter größter Anstrengung versuchte sie aufzustehen, aber der Körper, der nun wieder ihr gehörte, gehorchte ihr kaum. Einen zitternden Schritt nach dem anderen kämpfte sie sich voran in der Hoffnung, sie würde einen Weg aus dieser Dunkelheit finden. Und tatsächlich, bald fand sie einen heller werdenden Lichtschein, je weiter sie sich vorarbeitete.
Gleißendes Sonnenlicht blendete Rubina, als sie endlich durch den Ausgang trat. Sie war umringt vom tiefen Grün eines friedlichen Waldes, von Vogelgezwitscher und dem sanften Plätschern eines Bachs. Rubina nahm einen tiefen Atemzug der frischen Luft. Dann sah sie an sich herab. Sie trug ein schlichtes Leinenkleid, keine Schuhe und ihre Haut war an mehreren Stellen aufgeschürft. Von außen musste sie erbärmlich aussehen. Aber sie lebte und sie war tatsächlich frei.
Vorsichtig breitete sie ihre einst strahlend weißen Schwingen aus, die vor Staub und Dreck eher grau aussahen. Endlich. Die Erleichterung, die es ihr brachte, trieb ihr fast Tränen in die Augen.
Rubina hob den Blick in den Himmel. Über den Baumwipfeln erhoben sich in jeder Richtung felsige Berge. Diese Gipfel kamen ihr bekannt vor. Bilder huschten durch ihren Kopf – flüchtig und verschwommen, kaum mehr als Schatten einer Erinnerung. Sie kannte diesen Ort.
Das Tal. Athara. Ihre Heimat.
Ziellos wanderte Rubina durch den Wald. Alle Straßen in Athara führten zur weißen Stadt, der mamornen Stadt der Hüter. Doch sie fand keine Straßen, keine Gebäude, keine Menschenseele. Nur Bäume, Dickicht, dichtes Grün.
Das weite Tal, das sie kannte mit seinen Dörfern und Feldern, es schien völlig der Wildnis anheim gefallen zu sein. Unwillkürlich griff Rubina an ihren Hals, aber ihr Rubinanhänger in der Form eines Herzens war nicht dort. Die Quelle ihrer Kraft, das Symbol ihres Rangs als Hüterin...
Fragmente von Erinnerungen flossen in Rubinas Bewusstsein.
Der hunderjährige Krieg, Radons Armee, Blitze von unnatürlicher Magie. Rubina schnappte nach Luft. Die Hüter. Sie hatten den Krieg verloren.
Wie viele Jahre, Jahrzehnte waren seither vergangen? Oh Ewige, hast du mich endgültig verlassen?
Möge das Chaos mit uns sein!
persönliches Chaosarchiv - klick
(=Schreibproben / öffentliche Rollenspiele / Ideensammlung)
Musik des Ordens - klick
Re: 🎲 Retro-Rollenspielhimmel 🎲
von Polythea am 07.10.2026 17:13AEL · 2024
Sie gehörten zweifelsohne einem Hirsch – einem ziemlich großen, wenn man sich die Spuren ansah. Verwunderlich, da seit Anbeginn der Verderbtheit sämtliche Wildtiere in den Süden geflohen waren.
Doch die Aussicht darauf, einige hungernde Bäuche zu füllen, war das Risiko wert. Der Jäger war ihm dicht auf der Spur, versuchte an gute Omen zu denken. Vielleicht bedeutete es die langersehnte Rückkehr der Wildtiere rund um die Grenzen von Nemeah?
Oder suchte es einen neuen Lebensraum für die Hirschkühe und verirrte sich hierher?
Alles Fragen, um die er sich im Dorf kümmern würde, sobald er das Tier erlegt hatte. Eine erste Anlaufstelle wäre die Magiergilde, die einen magischen Ursprung ausschließen sollte, um gegebenenfalls ein durch die Verderbtheit mutiertes Wesen sofort zu vernichten. Sie sollte, nein, durfte, sich nicht in Nemeah ausbreiten.
Es wäre ihr Untergang, wenn man den Berichten aus den anderen Regionen von Evarion Glauben schenkte.
Vor einer Klippe stoppte der Hirsch abrupt, sein Blick auf das darunterliegende Dorf gerichtet. Hinter ihm lud der Jäger sein Jagdgewehr, zündete es so leise wie möglich und richtete anschließend seinen Schaft auf das Tier.
Noch nie hatte er so ein schönes, majestätisches Wesen aus nächster Nähe erlebt. Das Fell war silbrig-weiß, einzelne Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne, die auf ihn herabschienen, ließen es sanft schimmern. Das Geweih, prachtvoll und riesig, passte sich seiner Fellfarbe an, ging jedoch mehr in silbrige Töne über.
Eindeutig zu schön, um es zu erlegen – wenn er nicht in der Verantwortung für sämtliche Menschenleben stand.
Im Kopf zählte er die Sekunden ab, bis die Zündschnur das Säckchen mit Schießpulver erreichte, welches an einem Gürtel an seiner Hüfte befestigt war. Gerade als er den Schuss abgab, blickten die dunklen Augen des Wesens ihn an, bevor es im selben Moment über die Klippe sprang.
"Was zum?!", keuchte der Jäger auf und rannte zum Rand der Klippe, um nach dem Tier zu schauen.
Plötzlich öffnete sich direkt hinter ihm ein verzerrtes Portal und der weiße Hirsch spazierte aus diesem hervor – sichtbar unberührt von der Tatsache, was gerade geschehen war.
Langsam trat es auf den Jäger zu, doch dieser griff panisch nach seinem Gewehr und dem Schießpulver, um in letzter Sekunde noch schnell …!
Ein scharfer Schuss fiel, dessen Echo durch den gesamten Wald hallte und allerlei Vögel in der Nähe verschreckte, die über die bunt gefärbten Baumkronen hinwegflogen.
Die Hand des Jägers zitterte stark, während er die ganze Zeit die Augen fest zugekniffen hatte. Vor Angst hatte er es nicht einmal gewagt, zu atmen.
Langsam öffnete er die dunkelbraunen Augen und zu seiner Überraschung fehlte jede Spur von dem Hirsch. Der Schaft seines Gewehres zeigte auch nicht mehr nach vorne, sondern nach oben. Von einer Hand gehalten.
Moment mal, eine Hand …?
Vor ihm hockte statt des Tieres ein junger Mann, dessen violette Augen ihn ruhig musterten. Ungeniert blieb der Blick des älteren Jägers an den auffällig spitzen Ohren hängen … und an dem silbrigen Geweih, welches oberhalb seiner Stirn wie eine Krone emporragte.
"Guter Mann, Sie hätten mich beinahe umgelegt", sprach der unbekannte Elf ihn an, sein Gesichtsausdruck wechselte zu einem Schmunzeln, woraufhin der Jäger ihn nur schockiert anstarrte.
"Noch nie einen Gestaltwandler gesehen?", fuhr der junge Mann mit den auffälligen Augen fort, richtete sich auf und half dem anderen auf die Beine. Er überragte ihn um mindestens einen ganzen Kopf und war in schicken, dunklen Roben mit violetten Akzenten gekleidet, doch am auffälligsten war der silberne Schmuck, der wie das Fell zuvor das Licht reflektierte.
Langsam fand der Jäger seine Stimme wieder, schluckte stark und konnte dem Elfen nicht in die Augen schauen. Auch wenn dieser ihm bereits erklärt hatte, was er war, brauchte er noch einen Moment, um zu sich zu finden.
"Verzeihen Sie, aber Sie sind nicht von hier, oder?"
Verdutzt blickte der junge Mann ihn einen Moment zu lang an, bis er an sich hinabschaute und nur verpeilt lächelte.
"Oh, ja, auf meiner Reise hatte ich nicht die Möglichkeit, mich umzuziehen."
"D-Das ist nicht das, was ich meine, werter Herr. Seit Beginn der Verderbnis ist der Wald hier wie ausgestorben. Weshalb sind Sie hier?"
Seltsam, denn ausgerechnet sein magischer Kompass hatte ihn in dieses Gebiet geführt. Der gesamte Norden, der durch den Gebirgspass vom Rest des Landes abgetrennt war, war bereits vollständig verdorben und sämtliche Lebewesen waren in den Süden geflohen. Laut seinen Quellen war dieses Gebiet noch unangetastet, was sich als falsch herausstellte, wenn er den Worten des Jägers vertraute.
"Dürfte ich erfahren, wer Sie sind?", fragte dieser schließlich, als er sich wieder aufgerichtet hatte und sein Gewehr um den Oberkörper hing.
Sofort lag die Aufmerksamkeit des jungen Elfen auf ihm, ein leichtes Funkeln war in seinen Augen zu erkennen.
"Ael Ardian, Hüter, Magier, Gelehrter. Ich untersuche den Ursprung der Verderbnis, guter Mann", erwiderte dieser beiläufig, als er sich der Klippe näherte und das Dorf von oben noch einmal beobachtete.
"Sicherlich wissen Sie, welche Umstände ganz Evarion, abgesehen von Fanatikern, plagen?", wandte sich der Jäger an ihn und bemerkte, wie der Elf sein Zuhause betrachtete.
Vorsicht und Zurückhaltung spiegelten sich in seiner Körpersprache, ebenso in seinen Worten. Er wollte sich vergewissern, dass Ael keine Gefahr für Nemeah war.
Ael bemerkte dies, als er einen Seitenblick auf den Jäger warf und dessen Blick auffing. Es würde sicherlich nicht leicht sein, sein Vertrauen zu gewinnen.
"Neben meiner Pflicht als Hüter meines Stammes bin ich arkaner Forscher. Meine Reisen dienen dazu, die korrupte Magie in den anderen Regionen zu vergleichen und weiterzuverarbeiten. Mehr als mein Wort kann ich euch nicht geben, dass ich euch nichts Böses will."
Der ältere Jäger würde sich selbst nicht als guten Menschenkenner bezeichnen, doch irgendwas in den Augen des ungewöhnlichen Magiers sprach dafür, dass er die Wahrheit sagte. Und wenn er die Verderbnis studierte, vielleicht … vielleicht würde sie endlich von diesem Kontinent ablassen.
"Nun gut, ich werde euch nach Nemeah führen. Sucht dort Lyssa auf. Ihre Schwester und sie können euch mehr helfen als ich", seufzte dieser und führte den Weg entlang aus dem Wald zurück. Vor den Toren zog der Gestaltwandler sich seine Kapuze über, um weniger Aufmerksamkeit auf sich zu erregen. Nicht, dass spielende Kinder unbedingt sein Geweih anfassen wollten.
Ael folgte dem Jäger auf den örtlichen Marktplatz, der recht gefüllt mit Menschen war und dessen Stände reichlich mit verschiedensten Lebensmitteln bestückt waren.
Für eine Ortschaft, deren Wald verlassen war, schienen die Bewohner des Dorfes in recht guter Verfassung.
Der Jäger verabschiedete sich von Ael mit einem kurzen Nicken und wandte sich wieder seiner Arbeit zu. Ael hingegen zog seine Kapuze tiefer ins Gesicht, während er durch das geschäftige Treiben auf dem Marktplatz ging. Der Geruch von frischem Brot und Kräutern, vermischt mit dem erdigen Aroma von feuchtem Holz, hing in der Luft. Die Menschen hier schienen in ihrer Routine gefangen, und doch war da eine unterschwellige Nervosität spürbar. Die Verderbnis mochte zwar noch weit entfernt sein, aber die Gerüchte reichten aus, um eine bedrückende Atmosphäre zu schaffen.
MEINE ZWEI CENTS DAZU
Die eigentliche Idee und das Play stammen aus 2024 mit einer süßen Maus (I miss you, corpse-girlypop, wenn du das lesen solltest) und verliebte mich da gleich direkt in das Worldbuilding, die Charaktere, die wir zusammen erschaffen hatten und generell in den ganzen Plot.
Ael ist vermutlich einer meiner "interessantesten" Charaktere (äußerlich) gewesen, eben dadurch, dass er ein Elf ist, ein Gestaltenwandler (no, don't come at me HP-Fans, weil das war nicht die Inspo für den Hirsch, grr) und basically seinen gesamten Stamm durch die Verderbnis verloren hat.
Trotzdem hat er nicht aufgegeben, als er alles verloren hatte, sondern versuchte, die Welt von Evarion von dieser mysteriösen Plage zu befreien. :')
Hab' das Ganze noch einen herbstlichen Touch verpasst und voilà – here we are.
Header: Diana Parkhouse / Unsplash



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