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»-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

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Nywuh
Gelöschter Benutzer

Re: »-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

von Nywuh am 28.10.2018 23:48

Kapitel 13
Die Tür fiel hinter mir mit einem hellen Klacken in's Schloss. Kaum noch konnte ich mich auf den Beinen halten. Mein Herz raste und ich hatte kaum die Möglichkeit, regelmäßig zu atmen. Meine Augen brannten und ich bebte am ganzen Leib. Nicht einmal Ardian's Hand in der meinen konnte mich ansatzweise beruhigen. Marley hatte bereits alle möglichen Räume abgeklappert, um zu sehen, ob irgendjemand hier war. Und bald schon tauchte er wieder vor uns auf, mit einem bloßen Nicken signalisierend, dass alles leer war. Ardy zog mich vorwärts. In die Richtung, in der mein Zimmer lag. Ich konnte keine Ruhe finden. Schon im Auto hatte ich den beiden erklärt, wo der Raum war, in dem ich gelebt hatte, sodass er keinerlei Probleme hatte, mich zu ihm zu ziehen. Hm.. Gelebt.. Es war ein so falsches Wort. Ich hatte nicht gelebt. Bereits vor Jahren war ich gestorben. Wenn auch, genau genommen, nur innerlich. Ich war eine leere Hülle.

Marius öffnete die Zimmertür, trat ein und schien stutzig zu werden. Denn er blieb so abrupt stehen, dass Ardian unsanft gegen ihn stieß. „Uff.. Sag mal..", er knurrte, rieb sich mit der freien Hand die Schulter. „Was bleibst du einfach steh'n, du Spast?", der Größere antwortete nicht, trat ein paar Schritte nach vorn und sah sich erneut prüfend um. ›Das.. ist dein Zimmer?‹, es stand nur das nötigste im Raum. Das klapprige, alte und ungemütliche Bett, auf dem ich stets geschlafen hatte, der Schreibtisch mit meinem Laptop darauf und mein Kleiderschrank. »Ja..«, murmelte ich, löste mich von Ardy und tapste, wenn auch sehr wackelig, zittrig und unsicher, an den Männern vorbei, zum Kleiderschrank. Darin waren noch einige Klamotten. Deshalb schnappte ich mir eine alte Einkaufstüte, die neben dem Möbelstück lag, um das letzte verbliebene hinein zu stopfen. „Wir kaufen alles neu.", beschloss Ardy. Mit gerunzelter Stirn sah ich ihn an. Es war mir durchaus recht, doch.. mit welchem Geld sollte ich das bezahlen? Ich hatte noch keine Arbeit, nichts, mit dem ich irgendwie bezahlen könnte. „Pack nur schnell das, was dir wichtig ist. Dann hauen wir hier schnell wieder ab.", ein stummes seufzen meinerseits, bevor ich nickte und eilig auch den Rest der Kleidung in die Tüte verfrachtete. Ich stellte sie neben der Tür ab, tapste zum Schreibtisch, nahm meinen Rucksack, der direkt neben ihm stand, und steckte den Laptop ein. Ebenso wie meine Schmuckschachtel. Um mehr brauchte ich mich nicht zu kümmern. Ich hatte alle Wertsachen beisammen, die ich besaß. Gerade wollte ich nach Rucksack und Tüte greifen, als eine Tür aufflog. Laute Stimmen. Gepolter. Gemecker. Meine Augen rissen sich auf. Ich war steif vor Angst. „FUCK!", fluchte Ardian leise. Er schob mich zurück. Immer weiter, bis zum Fenster, am anderen Ende des Raumes, stellte sich schützend vor mich. Marley hingegen hatte sich kein Stück von der Tür fort bewegt, baute sich bloß in voller Größe auf, ballte die Fäuste. Anspannung. Die Stimmen wurden immer lauter. Kamen näher. Schritte waren zu hören. Doch verstummten sämtliche Geräusche ruckartig. Dort stand er. Mein Stiefvater. Auf der Türschwelle, sah mir direkt in die Augen. Sein Gesicht verzog sich. Pure Wut zeichnete sich in ihm. Er plusterte sich auf, wollte auf mich zukommen, wurde jedoch von Marley aufgehalten. Der große Blonde stellte sich ihm stumpf in den Weg. ›Wag es dich..‹, knurrte er bedrohlich, stieß den dicken Mann gegen die Wand. ›Geh mir aus dem Weg!‹, keifte er, setzte erneut an und kam dieses Mal tatsächlich auf mich zu. Noch bevor Ardian überhaupt reagieren konnte, wurde er an der Schulter gepackt, zur Seite gerissen und zu Boden geworfen. Er holte zum Schlag aus. Ich war unfähig, mich zu bewegen. War zu gelähmt, durch die Angst. »N.. Nein!«, schrie ich noch, bevor seine Faust mich mit aller Härte traf. Durch die Wucht stolperte ich zurück, fiel und stieß mit dem Kopf gegen das Bettgestell neben mir. Ich keuchte auf, wimmerte, als er Sekunden später zutrat. Sein Schuh hatte kein Ziel. Er trat einfach auf mich ein. So lang, bis er von Ardian und Marius zurück gerissen wurde. ›Ardy! Polizei!‹, rief Marley bloß, ehe er den alten Mann fort zerrte, um Abstand zu gewinnen. Schwärze legte sich über mein Sichtfeld. Alles war verschwommen und dunkel. Selbst die aufgeregte Stimme meines besten Freundes drang nur schwer zu mir durch. Und das letzte, was ich vor Augen hatte, war das Bild einer grausamen Prügelei zwischen meinem Stiefvater und meinem zukünftigen Mitbewohner und meinem besten Freund, der panisch aus dem Raum rannte, um die Polizei an der Straße abzufangen.

›Können Sie mir sagen, wie lang sie bereits bewusstlos ist?‹
„Ein paar Minuten. Kurz bevor ich raus bin."

Stimmen? Ich vernahm sie. Mein Kopf schmerzte höllisch. Auch mein Bauch war durchzogen von einem stechenden Gefühl, was mir Übelkeit brachte.

›Ist eine ordentliche Wunde..‹
„Wie schlimm ist es?"

An den Versuchen, mich zu bewegen, scheiterte ich kläglich. Es tat zu sehr weh.


›Sie wird davon nicht sterben, wenn Sie das meinen..‹

„Ist das Ihr Ernst? Humor ist jetzt wohl kaum angebracht!"

Langsam schob ich meine Lider auseinander. Doch trotz dem schwummrigen, dunkelgrauen Schleier und dem unangenehmen Schwindel hielt ich meine Augen offen.

›Es wird eine große Narbe zurück blei.. oh!‹, ich erfasste das verwunderte und zugleich erleichterte Gesicht eines mir fremden Menschen. Es war eine mollige Frau Mitte 30. Eine Notärztin. Sie kniete nieder und lächelte mich an. Sie streckte die Hand aus, um mich zu berühren. Ängstlich wich ich zurück. Sofort hielt sie inne. Erneut wechselte ihr Gesichtsausdruck. Plötzlich wirkte sie äußerst besorgt. ›Ist alles in O..‹, sie wurde unterbrochen. „Rose!", wimmerte Ardian besorgt, ließ sich neben mir auf den Boden fallen und schlug sich die Hände vor den Mund. Rote, verweinte Augen. Ich biss mir auf die Unterlippe. Verdammt, wie ich es hasste, ihn so zu sehen.. Augenblicklich stürzte ich mich in seine Arme. Dicht zog er mich an sich heran, vergrub das Gesicht in meinem Haar. Ein Zittern durchfuhr seinen Körper. „Prinzessin..", schluchzte er leise. „Scheiße..", fluchte er kurz darauf weinerlich. »Es ist okay, Ardy.«, krächzte ich mit angeschlagener Stimme. „Nichts ist okay. Ich hab gesagt, ich pass auf dich auf.. u.. und dann..", ich stoppte sein Gerede, indem ich ihn von mir drückte, meinen Zeigefinger auf seine Lippen legte. »Bitte..«, meine Hand glitt zu seiner Wange. »Sei still.«, nun erfasste ich beidhändig sein Gesicht. »Sag sowas nicht. Gib dir nicht wieder die Schuld.«, Ardian schloss die Augen, schluckte schwer, dann nickte er.

Ich will nicht aufgeben.
Aber, bitte, sag mir: was, wenn doch?

Was passiert dann mit mir?

Oder noch schlimmer..
Was passiert dann mit dir?

Du gibst mir Kraft,
wo manchmal keine ist.

Ja, ich weiß, Großer,
du verstehst mich nicht.

Aber Nachts, bevor es los geht,
da seh ich dich.

Ich kann seh'n,
wie du zu Boden gehst.

Ich kann seh'n,
wie du mit 10.000 Rosen liegst.

Ich kann seh'n,
wie dort mein Herz zerbricht.

Sieh mich an und sag,
dass das nicht ehrlich ist.

Sag, dass das nur Psychen sind
und das das Boot, in dem ich sitze,
auf Haufen Lügen schwimmt.

Und dann sag: wie soll es weitergeh'n?

Wie siehst du in die Zukunft,
wenn ich selber nicht mehr weiter leb'?

Wie schaffst du's, zu geh'n?

Diese Hürden, die ich habe,
sind besetzt mit Problemen.

Was ich fühle kann nicht real sein.
Es ist zu broke.

Ich hab nichts mehr,
was ich dort brauch'.

Aber du stehst weiter da
und sagst „Du gibst nicht auf!"

Bitte sag, woher hast du all den Mut?

Wieso schaffst du das,
was ich seit Jahren schon im Schlaf versuch?
___________________________________________________________________________________________
Und hier endet die FanFiction leider.

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Nywuh
Gelöschter Benutzer

Re: »-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

von Nywuh am 28.10.2018 23:47

Kapitel 12
›Izzi und ich haben doch noch 'n großes Zimmer frei. Wie wäre es, wenn sie zu uns zieht?‹, das Muskelpaket sah neugierig im Wechsel zwischen mir und Ardian her. Ich zögerte, sah den Rothaarigen neben mir ratlos und auch ein wenig besorgt an. Ob das gut gehen würde? Kaum merklich zuckte er mit den Schultern, runzelte unsicher die Stirn. Das bedeutete wohl, dass er mir keine große Hilfe sein würde. Nachdenklich spielte ich mit einer Locke, die mir in mein Gesicht gefallen war, während ich in meine Gedankenwelt abdriftete. Ich hatte Angst vor direkter Nähe, mied sie, so gut es eben ging. War zu schüchtern, sprach kaum. Auch würde es noch eine ganze Weile dauern, bis ich vernünftig essen und trinken würde. All das sprach dafür, dass ich den Jungs definitiv nicht zur Last fallen würde. Wenn ich das denn überhaupt konnte.. Ich seufzte, rieb mir die Schläfen, darüber grübelnd, was die beste Antwort wäre. Was ich tun sollte. „Rose?", Ardian stieß mir den Ellenbogen in die Rippen. Ich zischte leise auf. Vor Schreck. Und Schmerz. Er hatte eine empfindliche Stelle erwischt. Nicht gerade angenehm. »Ähm.. Ja.. Sorry..«, nuschelte ich. Nach einem tiefen Atemzug sah ich zu Marley hinüber. »Ich nehme dein Angebot an.«, der kräftig gebaute Mann freute sich, wie ein kleines Kind. Sofort rief er seinen Mitbewohner herbei. Izzi kam angestiefelt, gesellte sich zu uns, blieb jedoch stehen und blickte Marius irritiert an. Er schien sich nicht erklären zu können, warum der Kerl aus heiterem Himmel so gut gelaunt war. ›Alexis zieht bei uns ein!‹, kündigte das Muskelpaket an. Es herrschte einen Moment lang Stille. Ich muss zugeben: der verdatterte, fragende Blick von Izzi war wirklich göttlich. Ein, eigentlich, unbeschreiblicher Ausdruck auf seinem Gesicht. ›Öh..‹, gab der Kleinere nur von sich, kratzte sich am Hinterkopf. Dann begann er breit zu grinsen, kicherte fröhlich auf. ›Cool!‹, er warf sich neben Marley auf's Sofa. Beide strahlten sie, hell wie die Sonne selbst, und starrten mich an. ›Du hast ein ziemlich großes Zimmer, keine Sorge.‹, begann der muskulöse Blonde, der sich zurücklehnte, die Arme hinter dem Kopf kreuzte. ›Wir können dir alle helfen, es einzurichten. Streichen und so. Wird richtig nice!‹, es mochte sein, dass die zwei sich freuten, wie Schneekönige, nur war ich noch immer nicht so ganz überzeugt von der ganzen Geschichte. Ich kannte die beiden kaum. Gar nicht. Ich wusste nicht, wie sie waren, lebten. Ob es eine gute Idee gewesen war, einfach einzustimmen, ohne mir bewusst zu sein, ob ich es tatsächlich wollte? Man konnte nur hoffen, dass alles gut verlief, ich mich irgendwann einlebte und meine Ängste ablegte. Zumindest einige.. „Guuut..", begann Ardy irgendwann. Er sah zu mir. „Dann machen wir uns..", er zückte sein Handy, um die Uhrzeit zu erfassen, ehe er es zurück in die Hosentasche stopfte. „In zehn Minuten auf den Weg zu deinem alten Zuhause. Dort holen wir deine Klamotten, Möbel.. Einfach alles, was dir gehört.", alles in mir zog sich zusammen, bei dem Gedanken, zurück zu kehren. An diesen Ort. Zu.. ihm. ›Ich hab noch den Transporter im Parkhaus stehen. Bis ich den zurück bringe, dauert's noch. Da kriegen wir sicherlich all das Zeug unter.‹, hörte ich Marley murmeln, der sich an Izzi gerichtet hatte. Angesprochener nickte eifrig. ›Klar! Der ist doch riiiesig. Das wird hundertpro passen.‹, innerlich sackte alles in mir zusammen. Die Angst überholte mich langsam aber sicher. Was, wenn wir ihm begegnen würden? Wie würde er reagieren? Er wird mich umbringen! „Sssht, Prinzessin..", hauchte mein bester Freund, dicht an meinem Ohr, sanft meine Schulter streichelnd. Ich zitterte. „Alles wird gut. Dir wird nichts passieren. Ich bin da."

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Nywuh
Gelöschter Benutzer

Re: »-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

von Nywuh am 28.10.2018 23:47

Kapitel 11
Allesamt saßen wir am großen Esstisch, der mit im geräumigen Wohnzimmer stand. Während die anderen sich eine Weile unterhalten und gefrühstückt hatten, hatte ich still daneben gesessen und zugehört. Mein Teller war unbenutzt geblieben. Ich war es schlichtweg nicht gewohnt, mich frei an Essen bedienen zu dürfen, weshalb ich nichts von all dem, was auf dem Tisch stand, angerührt hatte. Zudem hatte ich ohnehin keinen Hunger. Mein Körper musste sich langsam an die Umstellung heran tasten. Allein das regelmäßige trinken war verdammt ungewohnt. Da war es sicherlich eine gute Idee, erst einmal das auf die Reihe zu kriegen, bevor ich mich mit Nahrung vollstopfte, die meinen Körper durch die plötzlich normale Menge wahrscheinlich gänzlich überforderte. Ardian legte seine Hand für einen kurzen Moment auf meine Schulter, streichelte ein Mal zärtlich darüber, bevor er aufstand und den Raum verließ. Dner richtete seine Aufmerksamkeit auf mich. ›Wie heißt du eigentlich? Wir kamen irgendwie noch gar nicht so richtig dazu.‹, er bemerkte, dass ich mich ein wenig erschrak, weshalb er mir, geduldig wartend, ein aufmunterndes Lächeln schenkte. »Rose Alexis.«, ich hielt es nicht für nötig, meinen Nachnamen zu erwähnen. Das spielte immerhin auch keine große Rolle. ›Interessanter Name. Aber echt hübsch.‹, mischte Izzi sich in das Gespräch ein. ›Hat das nicht noch Zeit, Izzi?‹, Dner sah ihn verdattert an. ›Hä?‹, irritiert, aber dennoch mit dem Ansatz eines leichten Schmunzelns, starrte der Angesprochene den großgewachsenen Mann an. ›Tu mal nicht so blöd.‹, lachte Felix. ›Kaum kennen und schon flirten!‹, fuhr er fort. Ein verlegenes Lachen kam von dem Dunkelblonden. ›Mach ich doch gar nicht, man!‹, ich quittierte diese Szene mit einem ungläubigen Stirnrunzeln. Ehrlich jetzt? „Pfoten weg! Meine Prinzessin ist tabu!", rief Ardy aus einem der Nebenräume, vermutlich dem Flur, da er kurz darauf in's Wohnzimmer trat. ›Ohooo!‹, kam es nun von allen vieren. Marley, Izzi, Taddl und Felix. Allesamt grinsten plötlich breit und dümmlich. ›Läuft da etwa was?‹, seine Frage untermalte Marley mit einem Augenbrauenwackeln. Mit einem genervten Stöhnen und Augenrollen schüttelte der Rothaarige den Kopf und ließ sich neben mir auf einen Stuhl fallen. ›Ihr seid solche Idioten.‹, brummte er. Der belustigte Ausdruck auf den Gesichert der anderen war mit einem Mal verschwunden. Mir war diese Situation absolut unangenehm. Ich hielt mich einfach raus. ›Hab's euch vorhin schon gesagt.. Sie ist wie meine kleine Schwester! Ich beschütze sie nur vor euch bösen, bösen Buben!‹, nun war Ardian es, der, über beide Ohren hinweg, zu grinsen begann.

Der restliche Morgen verlief recht unspannend. Alle verteilten sich im Wohnzimmer, unterhielten sich. Auch ich beteiligte mich an Gesprächen, wich Ardy allerdings nicht von der Seite. Ich mied die Nähe der anderen, soweit es mir möglich war. Irgendwann sprach mein bester Freund jedoch ein Thema an, welches mich zwar durchaus interessierte, vor dem ich jedoch zu einem gewissen Teil irgendwie scheute. Mein zukünftiger Wohnort. Es war von Anfang an klar gewesen, dass ich nicht ewig in der Wohnung von ihm und Thaddeus bleiben konnte. Nach einer Weile des Redens gesellte sich Maley zu uns und schlug etwas vor, wovon ich wohl kaum behaupten konnte, dass es mich erfreute.

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Nywuh
Gelöschter Benutzer

Re: »-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

von Nywuh am 28.10.2018 23:46

Kapitel 10
Der nächste Tag war angebrochen. Zuvor war nach langer Zankerei endlich die Entscheidung auf den Film "Die Unglaublichen" gefallen. Ein verdammt guter Film, wie ich zugeben muss. Ich wachte durch Ardian auf, der mich ganz vorsichtig von sich hob und auf die Matratze seines Bettes legte, um aufstehen zu können. Wie abgesprochen hatte ich bei ihm im Bett geschlafen. Nachdem ich mitten in der Nacht durch einen schlechten Traum wach geworden war, hatte er mich in seine Arme gezogen. So war ich schließlich auf seiner Brust, mit seinem ruhigen Herzschlag am Ohr, friedlich in den Schlaf zurück gefallen. Gähnend blinzelte ich den ersten Sonnenstrahlen entgegen, die durch das Fenster in den Raum, genau auf das große Doppelbett, brachen. Mein bester Freund hatte längst das Zimmer verlassen, als ich mich aufsetzte und mir müde die Augen rieb. Dann sah ich auf den Wecker, der an seiner Bettseite stand. Kurz nach neun. Ich fuhr mir durch die Haare, schlug die Decke beiseite und setzte die Füße auf den weichen Teppich, der auf dem Boden lag. Es dauerte eine Weile, bis ich aufstehen und schlaftrunken zur Tür torkeln konnte. Dort verharrte ich jedoch schlagartig, als ich Stimmen vernahm. „Ja, ist sie..", ich verstand nur Bruchteile. Größtenteils war es Ardy, den ich hörte. „Ey..lass..", näher drängte ich das Ohr an die Tür. Eigentlich war ich absolut kein Freund von einer solchen Neugierde, doch zu diesem Moment konnte ich einfach nicht anders. „Vergiss es!", knurrte Ardy. „Sie ist wie meine kleine Schwester. Ich passe auf sie auf, egal wer oder was kommt!", mein Herz raste. Mit wem sprach er da? Und über was? Ängstlich wich ich zurück. Doch schnell wurde ich wieder hellhörig und gelassener, als ich fröhliches Gelächter hörte. Meine Sorge, es sei mein Stiefvater, verflog sofort. Ich begab mich zu meiner Tasche, kramte neue Kleidung heraus. Weiße Sneaker-Socken, eine schlicht schwarze Leggings, ein weißes Top und darüber ein weißer Pullover von Ardy, den er mir gestern noch gab, weil mir kalt gewesen war. Der Pullover war mir viel zu groß, er hing bis zur Mitte meiner Oberschenkel hinab und die Ärmel verschluckten meine Hände wie ein Sandsturm den Staub.. Aber dennoch zog ich ihn an. Ich fühlte mich wohl darin. Außerdem roch er so vertraut. Und nach Ardy's Parfum, welches ich so sehr mochte. Rasch bürstete ich mir noch die Haare, ehe ich das Schlafzimmer verließ, um mich erkennbar zu geben.

Im Flur war mittlerweile nichts mehr los. Also tapste ich in's Wohnzimmer, lugte schüchtern hinein. Dort saß der Rothaarige mit drei anderen Männern. Einer von ihnen war Marley, die anderen beiden hatte ich bisher noch nicht kennen gelernt. Marley saß der Tür von einem Sessel aus genau gegenüber, weshalb auch er der erste war, der aufsah. Er setzte ein Grinsen auf, hob die Hand weit hoch und wedelte mit ihr, vollkommen übertrieben, in der Luft herum. Durch dieses Gehampel machte er die anderen auf mich aufmerksam. Ardian schenkte mir ein Lächeln, patschte neben sich auf den freien Platz des Zweisitzers. Die Fremden beobachteten mich mit eher neutralem Ausdruck. Ich schlich zu Ardy hinüber, setzte mich neben ihn. „Hast du gut geschlafen, Rose?", lenkte er mich von den Unbekannten ab. Ich konnte lediglich nicken. ›Die zwei kennst du noch nicht, oder?‹, Marley ergriff nun das Wort. Ich sah zu den Fremden, dann zu ihm, ehe ich den Kopf schüttelte. ›Das ist Alexander, Izzi genannt, mein Mitbewohner..‹, er deutete auf einen jungen Mann mit dunkelblondem Haar, normaler Größe und blaugrauen Augen. Als stummes Hallo galt mir ein Winken. ›Und das ist Felix, oder auch Dner.‹, er war recht groß und schlank, mit braunem Haar. Grüßend und schwach lächelnd hob auch er grüßend die Hand. Kurz darauf wurde die Haustür aufgeschlossen. Ein Rascheln erklang, das Geräusch vom Ausziehen der Schuhe und Jacke. Dann sich nähernde Schritte, mit denen auch das Rascheln immer lauter wurde. Dann stand Taddl in der Tür, schmunzelnd eine Brötchentüte in die Höhe hebend. ›Essen fassen!‹

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Nywuh
Gelöschter Benutzer

Re: »-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

von Nywuh am 28.10.2018 23:46

Kapitel 9
„Komm, Prinzessin.", Ardy erhob sich, reichte mir seine Hand und lächelte mich sanft an. Ich nahm, mit einem Nicken dankend, sein Angebot an und ließ mir aufhelfen. Auch Thaddeus hievte sich hoch, räkelte sich ein Mal und grinste mir breit entgegen. Die Gesten der jungen Männer munterte mich etwas auf. Doch bessere Laune ernüchterte schnell, als ich im Gesicht meines besten Freundes einige Ausdrücke erkannte, die mir nicht gefielen. Er wirkte nachdenklich und traurig. Zudem auch.. enttäuscht? Innerlich erzitterte ich ein wenig. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mit dieser Erkenntnis umgehen sollte, gar was all das zu bedeuten hatte. War es wegen mir? Wegen den vielen Fragen, die Taddl gestellt hatte? Oder wegen etwas anderem? Vielleicht hatte es auch mit etwas ganz anderem zu tun. Die Tatsache, dass ich den Grund nicht kannte, beunruhigte mich noch viel mehr als das Wissen, das etwas nicht stimmte. Während ich mir darüber den Kopf zerbrach, kehrten wir in's Wohnzimmer zurück, ließen uns auf der Couch nieder. Die Jungs diskutierten darüber, welcher Film geschaut werden sollte. Ich bekam es nur am Rande mit. Viel zu sehr war ich mit meinem Kopf beschäftigt. Ohnehin wollte ich nicht dazwischen funken. „ALTER!", brüllte Ardian urplötzlich auf. Als wäre ich gestochen worden, fuhr ich zusammen. Es war nicht gerade angenehm, wenn man direkt neben jemandem saß, der einfach so, aus heiterem Himmel schrie. Ich beobachtete die beiden dabei, wie sie sich einander im Sitzen mehr zudrehten. Meine Gedanken waren vergessen und ich konzentrierte mich auf den hitzigen, wenn auch nicht ganz ernst gemeinten, Streit, der entstanden war. ›Teil Eins ist total für'n Arsch! Den kannst du vergessen!‹, ergriff Thaddeus das Wort. Ich runzelte ungläubig die Stirn. •Dafuq?*•, ein missbilligendes Knurren kam von Ardian's Seite. „Aber wie soll sie den Film denn verstehen, wenn sie Teil Eins nicht gesehen hat?!", ich lehnte mich zurück, winkelte die Beine an und genoss die Vorstellung. ›Das is' doch total einfach!‹, entgegnete der Blauhaarige. „Achja? Soll ich dir mal die ganzen scheiß Filmtitel aufzählen, bei denen du dir die Haare ausgerupft hast vor Verzweiflung, nur, weil du nix geschnallt hast, weil du den ersten Teil nie sehen wolltest, weil du im Internet gelesen hast, der is' scheiße?", Stille. 1:0 für Ardian. Mit einem ›Hmpf‹ drehte Taddl sich in eine normale Position zurück, kreuzte die Arme vor der Brust und zog eine dicke Schmolllippe. Ardy begann zu lachen. „HA! Siehste?", lachte der 23 Jährige triumphierend. „Also ist's entschieden.", eigentlich war hier nun ein Ende zu erwarten. Eigentlich. ›Nix da!‹, Ardy's breites Grinsen verstarb. Wir schauen den ersten Teil nicht! Ich kann den nicht leiden!‹, trotzte Taddl. Ich sah die Augen meines besten Freundes rollen. •Das kann ja noch 'ne Weile dauern..•, dachte ich, schüttelte nur den Kopf und nahm mir das Glas Sprite, welches noch auf dem Couchtisch stand. Ich nippte daran, lehnte mich zurück und verlor mich erneut in Gedanken.

Wie sollte es nun weitergehen? Mir fiel in diesem Moment auf, dass ich absolut nicht darüber nachgedacht hatte, was passieren würde, wenn ich mit Ardian mitging. Einfach auf ihn hörte und abhaute. Weg von meiner Mutter und meinem Stiefvater. Mir bangte es vor den Konsequenzen. Er würde mich finden. Da war ich mir sicher. Früher oder später würde er das. Was würde dann geschehen? Was würde er tun? Wenn er in Köln auftauchte, genau hier in dieser Wohnung aufkreuzte, war ich vielleicht noch sicher vor ihm, solang ich nicht allein blieb. Irgendwann würde ich jedoch eine Tour durch die Stadt machen, eine eigene Wohnung haben.. Ich wusste nicht genau, was in der Zukunft lag. Ich wusste nur; die Jungs konnten mich nicht ewig beschützen, selbst wenn sie es wollten. Es ging einfach nicht. Wahrscheinlich würde er mich in irgendeine Ecke zerren und zu Tode prügeln, nachdem er sich ein letztes Mal an mir verging. Ich bekam Gänsehaut, begann zu zittern. Beim bloßen Gedanken an das, was geschehen könnte.. würde.. Mein Blick wich zu Ardian und Thaddeus, die mittlerweile friedlich nebeneinander auf dem Laminat vor ihrem Fernseher saßen, etliche DVD's durchwühlten, sich gegenseitig die Hüllen zeigten, wenn sie etwas bestimmtes gefunden hatten. Ich sackte in mir zusammen, schlang die Arme um meine angewinkelten Beine und legte das Kinn auf die Knie. Hatten sie überhaupt mal darüber nachgedacht, wie lang ich hier bleiben konnte? Ein paar Tage? Eine Woche? Was war mit der Schule? Ein leiser Seufzer entglitt mir. Ich erinnerte mich an damals. An die "Flucht" aus Berlin. Meine Mutter war einfach gegangen, hatte mich verschleppt. Und ich hatte keinen Plan von irgendwas. Ich wusste nur noch, dass sie zu mir sagte, ich könne nie wieder nach Hause zurück. Ob es nun wohl auch so war? Es würde mich nicht im Geringsten stören, wenn es der Fall war. Ich wollte nicht zurück. Nicht zu diesen Menschen, die mein Leben so zerstörten. Die mich zerstörten..

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Nywuh
Gelöschter Benutzer

Re: »-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

von Nywuh am 28.10.2018 23:45

Kapitel 8
Einige Minuten später war ich im Bad angekommen, striff mir rasch, aber auf meine unzähligen, teils offenen Wunden bedacht, die dicke Jacke, die ich mir noch Zuhause, vor dem skypen mit Ardian, angezogen hatte, ab, um endlich der eingebildeten Enge des Stoffes zu entkommen. Die ganze Zeit schon hatte er unangenehm gescheuert. Ich hatte es, aus Gewohnheit, einfach ignoriert. Keine gute Idee, wie ich feststellen musste. Mein ganzer Körper war verklebt von getrocknetem Blut. Ich schluckte schwer, als ich in den riesigen Spiegel über dem weißen, in die Wand integrierten, Waschtisch sah. Seit langer Zeit war ich nun das erste Mal wieder gezwungen, mich selbst zu sehen. Sofort trieb es mir die Tränen in die Augen. Mein Körper war so zerstört*. •Bin das wirklich ich?•, ich trat näher, führte meine Hände zu meinen Armen, strich vorsichtig über sie, dann über mein Gesicht, bis meine Finger mein lockiges Haar durchkämmten. Ich riss mich vom Spiegel los, wandte mich ab. Länger hielt ich das nicht aus. Ich sackte zusammen, ließ mich auf den kalten, weißen Fliesen nieder und bettete das Gesicht in meinen Händen. Ein Weinkrampf folgte. Dann ein nächster. Ich weiß nicht, wie lang ich dort saß. Zitternd. Heulend. Irgendwann flog die Tür auf. Ein besorgter Ardian stürzte hinein. ›Rose!‹, eilig warf er sich zu mir auf den Boden, riss mich in seine schützenden Arme. Dazu kam ein, ebenso besorgter, zum Schluss jedoch extrem geschockter, Taddl. Er lief in's Bad, stolperte jedoch zum Türrahmen zurück, als er meinen Körper erhaschte. Ich hörte, wie er nach Luft japste, dann sein Atem stockte und er schwer schluckte. Ardian wog mich in seinen Armen. ›Ssh..‹, er vergrub sein Gesicht in meinen schwarzen Locken. ›Ich bin da..‹, flüsterte er leise. ›Alles wird gut, Prinzessin..‹, es vergingen Minuten. Oder eine halbe Stunde? Dieser unangenehme Moment endete darin, dass wir zu dritt im Badezimmer saßen. Auf dem Boden. Schweigend. Ich in den Armen meines besten Freundes, sein Mitbewohner vor uns, im Schneidersitz auf den Boden starrend. ›Alexis?‹, raunte Thaddeus irgendwann. So leise und vorsichtig, wie es seine tiefe, bassige Stimme eben zuließ. Ich blickte ihm unsicher, etwas schüchtern, entgegen. Auch Ardy sah auf. Ohne etwas zu sagen, wartete ich. ›Ist.. es in Ordnung, wenn..‹, begann er, kurz zögernd und sich dabei auf die Unterlippe beißend. ›Wenn ich frage, w.. was passiert ist?‹, ich wusste, dass er mir nicht zu nahe treten wollte, es ihm dennoch auf dem Herzen brannte. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Sicherlich hätte ich in seiner Situation nicht anders reagiert. Wäre auch neugierig gewesen. Ich ließ ihn keine Sekunde aus den Augen, als ich ihm antwortete. Mir sollte keine, noch so kleine, Reaktion entgehen. Und auch wenn ich ihm nicht einmal im Ansatz alles erzählte, fiel es mir trotzdem schwer. »Mein Stiefvater.. hat.. mich verprügelt und ausgepeitscht.«, ich sah auf meine Hände hinab, während ich unruhig meine Finger knetete. »Und für den.. Rest an meinem Arm.. bin ich selbst verantwortlich..«, kurz, aber gut. Zumindest hoffte ich, dass es gut war. Gut genug, um Thaddeus Neugierde zu stillen. Ich war noch nicht bereit, wirklich alles auszuplaudern. ›Und warum?‹, hm. War wohl nichts. ›Wieso hat er es getan? Und.. warum hast du..‹, zum Glück unterbrach Ardian ihn. Wenn auch in einem recht herrischen Ton. ›Lass gut sein, T. Reicht.‹, mit einem leicht enttäuschten Brummen ließ der Blauhaarige ab.

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* Hier mal ein Bild zu der Situation vor dem Spiegel. Es ist ziemlich hingeklatscht. Wobei es, dafür, dass es nur für eine bessere Vorstellung für diesen Moment dienen soll, eigentlich auch wieder zu viel Arbeit ist und ich "zu viel Mühe" da rein gesteckt habe. Hm.. Bleiben wir dabei, dass es scheiße aussieht... x'D
http://de.tinypic.com/r/142ebmb/9
http://i64.tinypic.com/142ebmb.png
Btw: Ihr Haar ist natürlich viiiiiel lockiger. Also.. schön lockig. Mit.. schönen Locken. Ich hab mich nur nie wirklich mit Locken befasst. Deshalb sieht es recht komisch und "nur wellig" aus. Hm.. Eigentlich sieht das ganze Bild komisch aus. *lol*.
(Autorkommentar zum Kapitel von damals. Ich kann nicht garantieren, dass die Links noch funktionieren.)

Antworten Zuletzt bearbeitet am 29.10.2018 00:28.

Nywuh
Gelöschter Benutzer

Re: »-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

von Nywuh am 28.10.2018 23:43

Kapitel 7
›Du, sag mal..‹, begann Taddl, nachdem er sich zu uns auf die Couch geschmissen hatte. ›Wie darf ich dich eigentlich nennen? Der Vollpfosten hier..‹, er deutete breit grinsend mit dem ausgestreckten Daumen auf Ardy, ›.. hat mir nicht wirklich gesagt, wer du bist und wie du heißt. Er hat mir und Marley allgemein gar nicht wirklich einen Grund genannt, warum wir dich abgeholt haben. Er hat nur gemeint, es wär' ultra wichtig, du musst da sofort weg. Musst mir hier jetzt natürlich keinen Lebenslauf schreiben, aber.. Ich bin neugierig. Erzähl mal ein bisschen was über dich!‹, er sah mich mit aufmerksam an. Ich schielte zu Ardy, der nur unschuldig die Stirn kraus zog und mich schief angrinste. Innerlich seufzte ich. »Mein voller Name ist Rose Alexis Wexford. Ich bin neunzehn Jahr alt und komme ursprünglich aus Berlin..«, ich stoppte. Wo sollte ich weitermachen? Planlos zuckte ich mit den Schultern. ›Hmm..‹, kam es von dem 21 Jährigen, mit den blauen Haaren, während er, scheinbar nachdenklich, durch den Raum sah. Sein Blick fiel auf mich zurück. ›Was machst du gern? Also.. ich mein.. Was treibst du so in deiner Freizeit? Hast du Hobbys oder gehst du irgendwelchen Aktivitäten nach?‹, ich muss zugeben: ein klein wenig überfordert durch diese Fragen war ich schon. Allerdings bemühte ich mich, sie zu beantworten. Auch wenn es recht kurzer Text war. »Ich hab' eigentlich nicht wirklich Hobbys..«, murmelte ich anfangs, kratzte mich am Hinterkopf. »Auch keine Aktivitäten, denen ich nachgehe.«, dieser Hauch von.. Nichts, schien Thaddeus stutzig zu machen. Zu meinem Glück ging er aber auch nicht weiter darauf ein, widmete sich lieber den Getränken, die auf dem kleinen Tisch vor uns standen. ›Was möchtest du trinken? Cola? Sprite?‹, wieder drehte er sich zu mir. »I.. Ich weiß ni.. nicht.«, stotterte ich. Unsicher sah ich dem, plötzlich sehr verwirrten, Blauhaarigen in die Augen. ›Du musst doch wissen, was du trinken möchtest.‹, er richtete sich aus seiner gebeugten Haltung auf, um mich noch eindringlicher anzusehen. Diese Situation war mir mehr als nur unangenehm. »I.. Ich.. K..«, es brachte mich dazu, meine eigene Stimme zu verschlucken und keinen Mucks mehr heraus zu bekommen. Große Besorgnis zeichnete sich in Ardian's Gesicht, der einschritt und mich aus dieser Gefangenschaft rettete. Auch wenn er nicht unbedingt das tat, was mein Unbehagen minderte. ›Sie hat sowas noch nie getrunken.‹, warf er ein. ›Hä?‹, kam es daraufhin irritiert von Taddl. Aber nach einem warnenden Blick von seinem Mitbewohner, wagte er es nicht, weiter darauf einzugehen. Deshalb galt seine Aufmerksamkeit sehr schnell den Flaschen vor ihm. Er griff einfach zur Sprite und verteilte sie in den Gläsern. Eines davon reichte er Ardian, das andere mir. ›Bist du müde, Rose?‹, ich sah meinen besten Freund an und schüttelte den Kopf. Daraufhin lächelte er, stellte das Glas auf den Tisch und lehnte sich zurück. Einladend legte er einen Arm auf die Rückenlehne des Sofas, den anderen streckte er mir schief entgegen. Sein Lächeln wurde breiter, zeitgleich auch sanfter. Eilig rückte ich näher an ihn, schmuste mich, wie ein kleiner Stubentiger, an seine Brust. Ein Seufzer entrann Taddl's Kehle. Er ließ sich ruckartig nach hinten fallen, umspielte mit seinem Zeigefinger den Rand des Glases, welches er in seiner großen, tätowierten Hand hielt. Ich nutzte diesen kurzen Moment, um mir den jungen Mann genauer anzusehen. Mein Blick überzog ihn von oben bis unten, ehe er wieder an seinem Gesicht hängen blieb. Er schien gedankenverloren. Was wohl gerade durch seinen Kopf geisterte? Lang konnte ich nicht darüber nachdenken. Ich erschrak, als Ardian's Hand durch mein Haar fuhr. Mein Kinn erhob sich, ich sah hinauf und verfing mich direkt in seinen funkelnden Augen und seinem Lächeln. Die sichtbare Wärme in seinem Gesicht war jedoch nicht das einzige, das ich erkannte. Da war noch etwas.. Es gleichte einem "I know what you did there". Und, als wolle er es noch stärker unterstreichen, wackelte er anzüglich mit den Brauen. Augenblicklich errötete ich, mein Blick huschte zum Laminat des Zimmers. •Well.. You're fucked..•, sprach ich gedanklich zu mir selbst. Mich räuspernd setzte ich mich auf, entglitt den Armen Ardy's. »Ich denke, ich nehme doch das Angebot einer Dusche an. Mir ist ziemlich kalt..«, nun gut.. der letzte Satz war gelogen. Eine Rolle spielte das aber wohl kaum. ›Geh schon mal vor, ich leg dir dann gleich ein Handtuch vor die Tür.‹, mit diesen Worten stand Taddl auf, entfernte sich aus dem Raum. Ich nickte bloß. Ein Danke konnte ich ihm nicht mehr ausrichten. ›Danach schauen wir noch einen Film, wenn du möchtest, hm?‹, liebevoll strich Ardian mir über's Haar. »Sehr gern.«

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Nywuh
Gelöschter Benutzer

Re: »-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

von Nywuh am 28.10.2018 23:43

Kapitel 6
›Hey, Prinzessin.. wach auf.‹, trotz der Sanftheit in seiner Stimme riss Ardian mich aus dem Schlaf. Ich gähnte, rieb mir über's Gesicht. Erst dann öffnete ich die Augen, um mich umzusehen. Schon bald musste ich feststellen, dass ich mich nicht mehr im Auto befand, sondern in einem.. Wohnzimmer? Irritiert blinzelte ich einige Male, ehe ich mich aufsetzte. ›Keine Sorge.‹, hörte ich ihn lachen. ›Du bist bei mir und T. Zuhause.‹, wer war.. ach so.. Vermutlich sprach er von seinem Mitbewohner. Der komische Kerl, mit den blauen Haaren. Ich gähnte erneut. »Seit wann liege ich hier?«, ich ließ meinen Blick weiterhin schweifen, betrachtete die Umgebung, bis ich am Fenster hängen blieb. Es war zappenduster. Also war es wohl noch immer die selbe Nacht. Schließlich wandte ich mein Augenmerk wieder zu Ardy. ›Hmh.. Eine Stunde.‹, murmelte er. ›Hab' dich hoch getragen, weil ich es einfach nicht geschafft hab', dich aufzuwecken.‹, er sah mich mich schief gelegtem Kopf an. Dann bildete sich auf seinem Gesicht ein breites Grinsen. ›Hast gepennt wie'n totgefahr'ner Igel.‹, entgeistert runzelte ich die Stirn, schüttelte anschließend den Kopf. So ein Dummkopf. »Danke.«, seufzte ich. »Und.. nun?«, auf diese Frage schien er keine Antwort zu wissen. Dies bestätigte er mir mit einem einfachen Schulterzucken. ›Hunger?‹, ich schüttelte den Kopf, fuhr mir durch die pechschwarzen Locken. ›Hmh.. Ich schau' mal, was T. macht.‹, damit erhob er sich und lief in Richtung Wohnzimmertür. »Okay..«, nuschelte ich, ehe auch ich mich erhob. Ich wollte mir ein wenig die Beine vertreten. So lief ich durch den Raum, nahm alles ein wenig unter die Lupe. Einen schlechten Geschmack hatten die Jungs definitiv nicht. Es gefiel mir, wie es hier aussah. Schlicht und doch ziemlich cool. Einfach.. modern. Ardian kam, mit Taddl im Schlepptau, zu mir zurück. Beide ließen sich auf das Sofa, auf dem ich gerade noch gelegen und geschlafen hatte, fallen und sahen mich fragend an. Der Blauhaarige grinste dümmlich. ›Zockst du eigentlich?‹, einerseits fragte ich mich, ob diese Frage wirklich ernst gemeint war, andererseits jedoch wusste ich, dass er es ja nicht unbedingt wissen konnte. Es sei denn, Ardian hätte ihm etwas gesteckt, was ich jedoch bezweifelte. »N.. nein. Ich.. also.. ehm.. ich würde ja, aber..«, stotterte ich, brach dann allerdings ab und zuckte bloß mit den Schultern. ›Okay. Mario Kart?‹, sein Grinsen wurde noch breiter und dümmlicher. Erneut ein Schulterzucken meinerseits, untermalt mit einem zaghaften Nicken. Ardian klopfte mehrmals neben sich auf das Polster. Ich nahm diese "Einladung" an, ließ mich neben ihm sinken. Sofort bekam ich einen der Controller in die Hand gedrückt. Ich war durchaus mit all den Spielen und Konsolen vertraut, hatte aber niemals selbst die Möglichkeit gehabt, mich damit auseinander zu setzen. Es war mir schlichtweg nicht erlaubt worden. Denn wer von den beiden hätte mir schon einen Wunsch erfüllen wollen? Das wäre doch pure Geldverschwendung gewesen..

Eine ganze Weile saßen wir dort auf der Couch, spielten Mario Cart, wechselten dann zwischen allerlei anderen Spielen hin und her. Ich hatte endlich mal wieder Spaß. Das musste ich zugeben. Da war es fast ein bisschen schade, dass nicht mal in solch einer Situation ein Lächeln mein Gesicht überkam. Das ewige Pokerface blieb erhalten. Es fiel mir selbst recht schwer, mir einzugestehen, dass ich zwar lächeln, grinsen und lachen wollte, es jedoch einfach nicht konnte. So sehr ich es auch wollte.. es ging einfach nicht. Ich bekam einen sanften Stoß in die Seite. Erschrocken fuhr ich zusammen, sah den besorgt drein blickenden Rothaarigen neben mir an. ›Alles.. okay?‹, fragte er mich. »Äh.. Ehm.. Ja, klar.«, hatte ich so sehr geträumt? Hatte er mich zuvor bereits angesprochen? ›Gut..‹, murmelte er und seufzte schwer, richtete seinen Blick zu Boden. Erst jetzt bemerkte ich, dass sein Mitbewohner gar nicht mehr bei uns saß. Stattdessen kam er eine Minute später in den Raum, mit einer Flasche Cola, einer Flasche Sprite und drei Gläsern in den Raum, stellte alles auf dem kleinen, weißen Ikea-Tisch vor uns ab. ›Du warst voll weggetreten.‹, merkte der Blauäugige an, runzelte unsicher die Stirn. ›Wirklich alles gut?‹, ich bejahte diese Frage nur mit einem Nicken. »Entschuldigt.«, ich knetete meine Hände, spielte mit meinen Fingern. »Wie spät ist es eigentlich?«, warf ich nach einer Weile in die Runde. Ich hatte mich inzwischen zurück gelehnt und etwas entspannt. ›Kurz vor drei.‹, antwortete T. Erstaunt weitete ich die Augen. So spät schon? Lange war ich nicht mehr so spät noch wach gewesen. Ardian wandte sich an mich, legte derweil seinen Arm um meine Schultern. ›Ich hoffe, du fühlst dich wohl.‹, flüsterte er in mein Ohr, sah mich dabei besorgt und doch liebevoll an, lächelte sanft. Ich nickte. ›Wenn du duschen möchtest, kannst du das gern machen. So lang du willst. Oder.. wenn du müde bist und schlafen möchtest, dann gib uns Bescheid. Dann machen wir deinen Schlafplatz fertig.‹, erklärte er, jetzt in normaler Lautstärke. »Danke. Aber.. duschen möchte ich jetzt nicht.«, ich zögerte mit einer Frage, die mir in diesem Moment arg auf der Zunge brannte. Zu meinem Glück verließ Taddl kurzzeitig den Raum, sodass mir ein kleiner Stein vom Herzen fiel und sich Leichtigkeit über mich legte. Nun war es nicht mehr ganz so schwer und unangenehm. »A.. Ardy?«, meine Stimme war bloß ein Hauch, so leise sprach ich. Er sah mich an, lächelte. »K.. kann ich bei dir schlafen?«, seine Augen weiteten sich. Das gab mir Grund zur Sorge. War es falsch, ihn das zu fragen? Hatte er etwas dagegen? Ich verfluchte mich innerlich selbst dafür. Plötzlich legte sich ein, beinahe schon von Zufriedenheit und Erleichterung ertränktes, Lächeln auf seine Züge. ›Na klar.‹, dann drückte er mich mithilfe seines Armes näher an sich, knuddelte mich herzhaft. Der Blauhaarige, der in diesem Moment wieder in den Raum kam, quittierte dies mit einem breiten Grinsen.

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Nywuh
Gelöschter Benutzer

Re: »-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

von Nywuh am 28.10.2018 23:42

Kapitel 5
Nach einigen Stunden wurde ich durch dumpfes Gepolter an meinem Fenster geweckt. Langsam schob ich die trägen Lider auseinander, setzte mich auf und versuchte mit müdem Kopf, die Geräuschquelle ausfindig zu machen. Ich gähnte, rieb mir die Augen und wagte es erneut. Erst recht spät stellte ich fest, woher all das Klopfen, Poltern und Rumpeln kam. Mir flatterte das Herz. Was war das? Ich hievte mich an den Bettrand, das Fenster fest im Blick. Schwer schluckte ich. Sollte ich wirklich nachsehen? Ich traute mich nicht so recht, zwang mich allerdings dazu, aufzustehen und einige Schritte vor zu gehen. Plötzlich drang dann eine Stimme, ganz leise, an meine Ohren. Sofort wurde ich hellhörig. ›Psst!‹, ich zuckte zusammen. Mit einem Mal klang es so laut, dass ich erschrak. ›Rose!‹, vernahm ich dann. Moment.. Mein Name? Meine Augen wurden groß, ich eilte schnurstracks zum Fenster, riss es auf. Direkt blühte mir das Gesicht von Ardian entgegen, der mich grinsend ansah. •Wow.•, zu mehr war mein Kopf gerade nicht im Stande. ›Schönen Abend, gute Frau.‹, sein Lächeln wurde breiter, ehe er auch schon die Arme weitete. Eine Aufforderung zur Umarmung? Hmh.. Ganz sicher war ich mir nicht, jedoch nahm ich es einfach mal an. Demnach kletterte ich nach draußen. Wir wohnten im Erdgeschoss, weshalb es eine Leichtigkeit war und ich mich nicht großartig bemühen brauchte, sehr bald wieder festen Boden unter mir zu haben. Ich spürte das taufrische, weiche Gras an meinen nackten Füßen. Ein wundervolles Gefühl, das ich nur leider schon viel zu lang nicht mehr hatte erleben dürfen.

Ich fiel dem Rothaarigen entgegen, er schloss die Arme fest um mich und vergrub das Gesicht in meiner Halsbeuge. ›Fuck..‹, nuschelte er. ›Ich bin so froh, dass du endlich in meinen Armen liegst.‹, naja.. liegen tat ich ja nicht. Innerlich schüttelte ich über diesen dummen Gedanken nur den Kopf. Äußerlich seufzte ich nur zufrieden auf. Sagen, tat ich jedoch nichts. Ich blieb still, schloss lediglich die Augen und kuschelte mich dichter an ihn, genoss diesen Augenblick unheimlich. So verweilten wir eine gefühlte - schöne! - Ewigkeit lang, bis er sich letzten Endes von mir löste, mich von sich schob und mir mit einem so ernsten Ausdruck entgegen sah.. ›Hast du alles gepackt?‹, fragte er mich, verengte unsicher die Augen. Ich nickte bloß. Kurz darauf erhellte sich sein Gesicht wieder. Er lächelte. ›Sehr gut. Dann hol sie!‹, erneut nur ein Nicken meinerseits. Ich kletterte wieder in mein Zimmer, ging zum Schrank, holte die Tasche heraus und kehrte zu ihm zurück. ›Okay..‹, er atmete tief durch. ›Wir verschwinden jetzt. Zwei Kumpel warten vorn' an der Straße, im Auto. Wir werden mit ihnen nach Köln fahren.‹, Köln? Mir wurde mulmig. Köln lag etwa 280km von unserer Kleinstadt entfernt. Von meinem.. Wohnort. ›Mach dir keinen Kopf, Rose.‹, unterbrach er meine sorgvollen Gedanken und lächelte mich aufmunternd an. ›Wenn wir bei uns sind, wirst du erst einmal alles komplett genießen und richtig entspannen!‹, sagte er bestimmt. ›Und irgendwann, wenn du bereit dazu bist, kommen wir wieder her, holen deine restlichen Sachen und du startest voll und ganz in dein neues Leben.‹, ich war vollkommen überwältigt. Ich war nicht fähig, irgendetwas zu sagen, geschweige denn überhaupt zu reagieren, weswegen ich ihn nur durchweg anstarrte. Ardian quittierte dies mit einem leisen Lachen. Mir wurde warm um's Herz. Ich liebte sein Lachen. Tonlos seufzte ich auf. ›Na komm.‹ forderte er mich auf, nahm mich bei der Hand und führte mich, im eiligen Schritt, vom Hof herunter. Die Straße war wie leer gefegt. Bloß ein einziger Wagen stand dort hinten am Rand. Eine dunkle Gestalt am Steuer, nervös mit den Händen auf das Lenkrad trommelnd, beinahe schon suchend die Gegend betrachtend. Bald fiel dann sein Blick auf uns und ein Zucken durchfuhr seinen Leib. Er drehte sich umgehend nach hinten, sprach mit jemandem. Daraufhin zischte ein weiterer Kopf nach vorn', in den Fahrerbereich, starrte uns entgegen. Ein erleichtertes Lächeln lag auf den Zügen des jungen Mannes, mit blauem Haar, der sich nun wieder in den hinteren Bereich, mit verdunkelten Scheiben, verzog. ›Am Steuer sitzt Marley. Hinten sitzt Taddl.‹, erklärte Ardian flüchtig. Ich tat es mit einem Nicken ab, auch wenn mir dabei recht unwohl war. Durch all die Geschehnisse hatte ich extreme Berührungsängste. Niemand durfte mich auch nur mit dem kleinen Finger anfassen. Es sei denn, natürlich, man zwang mich dazu.. Eine einzige Ausnahme war da Ardy. Weshalb, konnte ich nicht genau sagen. Ich wusste nicht, weshalb ich soeben bei ihm keinerlei Anzeichen dieser Angst hatte. ›Keine Sorge. Ich werd' mich nach hinten zu dir setzen..‹, murmelte er dann, am Auto angekommen, als könne er Gedanken lesen. Er öffnete mir eine der Hintertüren. Währenddessen öffnete sich die andere. Taddl stieg aus, um sich nach vorn', neben Marley zu setzen. Die jungen Männer nickten sich zu. Dann stieg Ardian ein, nachdem er meine Tasche in den Kofferraum verfrachtet hatte. ›Wir können.‹


Wir waren bereits eine Weile unterwegs, als mir ein Gähnen entwich, ich mir die Augen rieb. Ich war völlig übermüdet. Mit angewinkelten Beinen kauerte ich auf dem Sitz. Die Schuhe, die ich mir kurz vor dem Verlassen meines Zimmers angezogen hatte, hatte ich abgestriffen, sodass ich nun barfuß dort saß. Immer wieder fielen mir die Augen zu. Gefühlt tausende Male in einer kurzen Zeit gähnte ich. Der Rothaarige sah zu mir, stieß mich kurz an. Ich erwiderte seinen Blick. Wir schwiegen. Die einzige Geste, die dann von ihm kam, war ein Händeklopfen auf seine Oberschenkel. ›Du bist müde. Schlaf etwas. Wir sind erst zwanzig Minuten unterwegs.‹, ich zögerte nicht, schnallte mich ab und legte mich seitlich auf die Hinterbank, bettete den Kopf auf seinem Schoß und schloss, erneut herzhaft gähnend, die Augen. Das letzte, was ich spürte, war das sanfte und liebevolle Streicheln seiner Hände durch mein schwarzes, lang gelocktes Haar, bevor ich in tiefe Dunkelheit abtauchte und einschlief.

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Nywuh
Gelöschter Benutzer

Re: »-.I'll hold on to the wings of an eagle.-«

von Nywuh am 28.10.2018 23:42

Kapitel 4
Das nächste Mal erwachte ich, als ich am Boden vor meinem Bett lag. Vor Schmerz unfähig, mich zu bewegen. Ich roch Blut und Schweiß. Meine Augen erfassten eine kleine, doch tiefrote Pfütze unter meinem Kopf, ein gleichfarbiger, kleiner Rinnsal zwischen meinen Oberschenkeln. Ich schluchzte heiser, schloss die Augen, verdeckte mit den Händen vorsichtig mein Gesicht. Als plötzlich dann ein kräftiges Stechen durch meinen Magen blitzte, hustete ich reflexartig auf, krümmte mich, hielt meinen Unterleib. Elender.. Es dauerte einige Minuten, bis ich dazu in der Lage war, mich aufzurappeln, hinzusetzen. So verweilte ich sicherheitshalber einen Moment, ehe ich tief durchatmete, das Kleid zurecht zupfte und vorsichtig in die Höhe kletterte. Ich taumelte, hielt mich an der nächstbesten Wand fest. »Alexis..«, hörte ich es plötzlich kläglich winseln. Ardy! Mein Kinn riss hoch, ich fixierte das Notebook und meine Augen weiteten sich. Wieder kamen mir die Tränen. Alles.. Er hatte.. alles mit angesehen. Mir wurde übel. »Bitte..«, fiepte er der Ältere. »Komm her..«, seine Stimme war gebrochen. Deutlich war zu hören, dass er heftig weinte. Ich bemühte mich, möglichst schnell zum Schreibtisch zu kommen und mich auf den davor stehenden Stuhl zu kauern. Ich switchte in's Skypefenster, wagte es aber nicht, Ardian anzusehen. Abermales Schluchzen und Wimmern in meinen Ohren.. Auch ich begann erneut, zu weinen. Wie erbärmlich ich doch war.. Hatte ich mir nicht einmal gesagt, ich werde stark sein? Darüber hinweg sehen? Alles ausblenden? So viel dazu.. Ich zog die Knie weit an die Brust, bettete die Stirn auf ihnen. »Ich.. es.. t.. tut mi.. mir so leid, Ardy.«, japste ich heiser, schluchzte abermals. »Nein!«, quälte der 23 Jährige sich mit erstickter Stimme hervor. »I.. Ich hol dich da raus.«, sprach er leise, doch bemühte sich, ernste zu klingen. Ich sah auf, direkt in seine Augen. Sprachlos schüttelte ich den Kopf. Dafür nickte er umso heftiger mit dem Kopf. »Doch!«, gab er zurück. Ich erschrak mich über die plötzliche Festigkeit seiner Stimme. »Pack das Nötigste. Klamotten. Was auch immer.. Ich.. Ich komm' und hol dich! Heute noch!«, schon war er weg. »Aufgelegt..«, nuschelte ich. Mein Kopf war wie leer gefegt. Fassungslos starrte ich dem Notebook entgegen. Was jetzt? „Pack das Nötigste." hallte es in meinem Kopf erneut. Ich erhob mich, sah mich um, suchte die große Sporttasche, die hier irgendwo vergraben war. Diese gefunden, flüchtete ich zum Schrank, stopfte beinahe den gesamten Inhalt in die Tasche, rackerte mich damit ab, den Reißverschluss zu zu bekommen. Schleunigst verstaute ich mein baldiges Gepäck im Schrank. Dort würde es vorerst bleiben. Unschlüssig stand ich daraufhin im Raum. Und nun? Ich ließ die Schultern sinken, atmete durch, fuhr mir beidhändig durch's Gesicht. Dann blickte ich zu meiner Zimmertür. Laut meines Stiefvaters durfte ich das Zimmer ohne Erlaubnis nicht verlassen. Doch in diesem Moment empfand ich das Bedürfnis, zu duschen. Ich wollte den Dreck beseitigen, den dieser Bastard hinterlassen hatte. Mein eigenes Blut abwaschen.. Ich tapste zur Tür. Leise und vorsichtig öffnete ich diese, sah flüchtig in den Flur der Wohnung. Am anderen Ende dieser hörte ich Stöhnen, Keuchen, Klatschen.. Angewidert verzog ich das Gesicht. Er machte sich nun anscheinend mit jemand anderem auf in die zweite Runde. Ob es meine Mutter war, oder sonstwer, wollte ich ehrlich gesagt gar nicht wissen. Ich riss mich aus den Gedanken, eilte in's Badezimmer und schloss mich ein. Vorsichtig, bedacht, mir nicht unnötig selbst an all den offenen Wunden, die ich noch am Rücken und den Armen trug, weh zu tun, zog ich mir das Kleid aus, den BH, den ich als einzigen Teil meiner Unterwäsche noch trug, und stieg in die Duschkabine, stellte das Wasser an. Ich zischte auf, als das warme Nass meinen Körper hinab lief. Es war ein wenig unangenehm, doch ich ließ es über mich ergehen, da ich wusste, dass es gleich vorbei sein würde.

Fertig geduscht stieg ich auf den braunen Vorleger, vor der Dusche, griff nach meinem Handtuch und begann mit dem Abtrocknen. Meine schwarzen, sonst so lockigen Haare, klebten träge an mir. Nachdem ich sie ordentlich abgerubbelt hatte, änderte sich dies wieder. Tja.. Und nun sah ich aus, als hätte ich in eine Steckdose gefasst.. Ich zwang mich die ganze Zeit über, den Blick unten zu halten. Denn an der Wand vor mir, verlief von links nach rechts ein riesiger Spiegel. Irgendwann drehte ich mich einfach herum, während ich die letzten Wassertropfen von mir beseitigte. In mein Kleid zurück geschlüpft, wagte ich es dann, die Tür aufzuschließen und in den Flur zu lugen. Noch immer diese ekelhaften Geräusche. Ich rümpfte die Nase. Mit einem Seufzen begab ich mich in mein Zimmer zurück, setzte mich auf's Bett. Die Tatsache, dass ich gerade noch auf eben diesem zum Sex gezwungen und geschändet worden war, ignorierte ich gekonnt. Ich blendete es, fast wie von selbst schon, aus.

Mein Blick wanderte zum Fenster. Die Rolläden waren herunter gelassen. Dadurch umschlang Dunkelheit den Raum. Kurzerhand stand ich auf, zog sie hinauf. Licht platzte in einer flutartigen Welle hinein, blendete mich, weswegen ich einen Moment lang die Augen zu kniff. Als ich sie wieder öffnete, wurde mir angenehm warm. Nachdem ich ein wenig die Außenwelt betrachtet hatte, legte ich mich zurück auf mein Bett, in dem Entschluss, ein wenig zu schlafen.

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