Wir werden unterstützt von:


I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

1  |  2  |  3  |  »  |  Letzte [ Nach unten  |  Zum letzten Beitrag  |  Thema abonnieren  |  Neueste Beiträge zuerst ]


Michelli.

24, Weiblich

  Fan-Fiction Verfasser

Beiträge: 56

I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

von Michelli. am 29.07.2019 18:17



Gabriel William Kingsley

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
30 Jahre London • UK Anwalt – Kingsley&Hamilton Office

» Charakter «
dominant • rau • markant • selbstbewusst • willensstark • charmant • streng • denkt & handelt rational • sexsüchtig • beziehungsunfähig • kraftvoll • ausdauernd • zielstrebig • offen & direkt • sportlich

» Vergangenheit «
Wenn man auf die Welt kommt, wird man nicht gefragt, welche Leben man haben möchte. Nein, man muss das nehmen, was man geschenkt bekommt. Die ersten Jahre, bis man allmählich versteht, wer man ist, gehen an einem vorüber, ohne dass man sich später daran erinnern kann. Gesichter, Stimmen, Geräusche und Gerüche. Sie prägen sich ein, ganz unbewusst, bis sie irgendwann zu Erinnerungen von einem Leben werden, welches man nicht kennt. Irgendwann sieht man die Welt mit anderen Augen, kann sich erinnern und irgendwie zum ersten Mal an einem Leben teilnehmen. Gabriel kann sich bis heute nicht erinnern, ab welchem Alter ihm das Leben so bewusst wurde, so greifbar. Man kann sich nicht an alles erinnern, und vielleicht ist es auch ganz gut; bis einem dunkle Erinnerungen verfolgen, welche man nicht zuordnen kann. Irgendwann, erhob der Vater die Hand und schlug einfach zu; immer und immer wieder. Er brauchte keine Gründe für sein Handeln; keiner in der Familie stellte ihn in Frage. Von außen ein harmonisches Familienleben, aber im Inneren brodelte die Wut des Vaters. Schlechte Noten, falsches Benehmen. Ein Wort zu viel, ein Wort zu wenig. Hand, Stock oder Gürtel. Am Ende war es egal, am Ende zählte nur der Schmerz – und den musste Gabriel stumm über sich ertragen. Der Sohn musste lernen, dass er im Leben was leisten musste, um erfolgreich zu werden. Kein Schwächling, kein Verlierer. Der älteren Schwester Emma blieb das Martyrium des Vaters erspart, war er doch kein Frauenschläger. Die Mutter war zu schwach, um sich ihrem Mann entgegen zustellen, um den geliebten Sohn zu verteidigen. Mit Tränen in den Augen, sah sie stumm weg; konnte es nicht ertragen, aber auch nichts ändern. Die Tochter zog im Alter von 18 Jahren aus dem großen Haus, war doch froh, das alte Leben hinter sich zu lassen, waren ihr die Wutausbrüche des Vaters doch so leid. Dennoch, ging sie auch schweren Herzens, ließ Mutter und Bruder nicht gerne alleine zurück, aber wollte sie auch die große, weite Welt sehen und zog von London nach Sydney. Für Gabriel änderte sich nicht viel in seinem jungen Leben mit gerademal 14 Jahren, blieb er weiterhin der harten Hand des Vaters ausgesetzt. Die Schwester besuchte das Elternhaus nur selten, wenn sie frei hatte und nach London zurückflog. Es tat der Mutter im Herzen weh, dass sie immer öfters dem Mann die Schuld gab, dass die Tochter nicht zurück nach Hause kam. Ein paar Jahre später gerät ein Streit – welche sowieso an der Tagesordnung standen – vollkommen aus der Bahn. Während die Eltern sich lautstark stritten, und Gabriel ins Zimmer geschickt wurde, kam es zu einem lauten Aufschlag. Wie von Sinnen rannte der Junge aus dem Zimmer, hielt an der Treppe inne, als er sah, dass seine Mutter unten am Ende der Treppe bewusstlos lag. Niemals, würde er die Wahrheit erfahren, ob sie vom Vater geschubst wurde, oder an der Treppe das Gleichgewicht verloren hatte, ehe sie diese hinunter fiel. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der 40-jährigen Frau feststellen, als diese in der Nacht am Haus der Kingsley eintraf. Die Trauer des Vaters hielt nicht lange an, und doch war der Gang zum Begräbnis der eigenen Frau schwerer, als gedacht. Für sie Schwester brach eine Welt zusammen, als sie vom Tod der eigenen Mutter erfuhr, kam sofort nach London gereist, um sich um die Beerdigung zu kümmern. Gabriel war nicht in der Lage, der Trauer nachzugeben, sondern ließ sich von Hass gegenüber dem Vater vollkommen zerfressen. Nun, war der 16-jährige Junge mit dem Vater alleine in dem großen Haus und der gewaltsame Alltag nahm seinen Lauf. Jeden Tag machte der Vater dem Kind deutlich, dass es allein am Tod der geliebten Mutter schuld sei. Gabriel hatte jeden Tag, mit seinen Worten und Taten, für Ungehorsam gesorgt, was die Mutter sehr verärgert hatte. Er musste mehr Gehorsam zeigen, sich unterordnen, um den Eltern gerecht zu werden. Nicht einmal erhob der heranwachsende Junge die Hand gegen seinen Vater, sondern ertrug stumm die Qual, wenn der Körper vor Schmerz schrie. Der Tag würde kommen, die Rache würde er sein. An seinem 18. Geburtstag zog er einfach aus, ohne viel Trubel. Gabriel packte seine Koffer, hinterließ eine kleine Notiz »Endlich bist du mich los« und sah das Innere der großen Villa nie wieder. Es war ihm egal, was sein Vater dachte, war ihm doch bewusst, dass er seinen Sohn nie geliebt hatte. Finanziell wurde der junge Mann von seiner Schwester unterstützt, welche ihm eine kleine Wohnung in der Innenstadt ermöglichte. Sie musste nicht extra Sydney verlassen, um ihren Bruder zu unterstützen; er würde das Leben fernab von Zuhause auf die Reihe bekommen. Pflichtbewusst ging er weiter zur Schule, um einen guten Abschluss zubekommen, der ihm jegliche Wege in die Zukunft offen ließ. Zum ersten Mal fühlte er sich wirklich frei, konnte das junge Leben einfach genießen. Gabriel sah schon immer gut aus, war ein Ebenbild zu seinem Großvater in jungen Jahren, aber besaß die Augen seiner Mutter. Die Narben und Hämatome unter den Klamotten, bekam niemand zu Gesicht, war er bedacht darauf, dass es niemand zu Gesicht bekam. Beim Sport in der Schule zog er sich immer um, wenn keiner in der Kabine war. Ihm fehlte es trotzdem nicht an Selbstvertrauen und Willensstärke, um Mädchen in der Schule und Freizeit zu beeindrucken, aber ein wirkliches Interesse an dem anderen Geschlecht entstand erst, als der junge Mann das Elternhaus hinter sich gelassen hatte. Die Wunden verheilten, die Hämatome verschwanden, als wären sie nie dagewesen. Allein die Narben, besonders am Rücken stark ausgeprägt, blieben als Mahnmal auf der Haut zurück, bis tief in die Seele eingebrannt. Mit dem Beginn des Jurastudiums begann er nebenbei im Fitnessstudio zu arbeiten, um nicht mehr von der Schwester abhängig zu sein. Er merkte schnell, dass er in sportlicher Aktivität einen guten Ausgleich zu seiner inneren Unruhe fand. Gabriel hatte nicht die brutale Ader seines Vaters übernommen und konnte sich auch nicht dem Genuss von Alkohol oder anderen Drogen hingeben. Trotzdem war der junge Mann in seinem Tun und Handeln durchaus hart und schroff, aber ließ die angestaute Wut nicht an Lebewesen aus, wie sein Vater. Nein. Gabriel fand die Ruhe in reinem Verlangen und purer Lust: Sex. In erster Linie war nicht auf einer Beziehung aus gewesen, sondern wollte nur die Befriedung finden. Er brauchte Sex zum Denken, zum Handeln, um zur Ruhe zu kommen und vor allem, um Stress abzubauen. Für ihn war es ein Allheilmittel ohne Nebenwirkungen. Er gab Frauen nicht die Chance ihn besser kennenzulernen, entweder sie nahmen diesen Lebensstil hin oder nicht. Er versprach ihnen nicht die Sterne und nicht den Himmel, kein Paradies. Nein, nur eine Befriedung für beide Seiten, aber keine Zukunft auf eine Beziehung. Trotzdem, zog er das Studium konsequent durch, ließ sich von nichts ablenken. Zuerst arbeitete er in einer kleinen Kanzlei, wechselte nach ein paar Erfahrungen zu einer größeren, um am Ende eine eigene Kanzlei zugründen: Kingsley&Hamilton Office. Zusammen mit seinem ehemaligen Kommilitonen Andrew Hamilton, welcher nicht nur Partner, sondern auch guter Freund war, wollte er sich eine Zukunft aufbauen. Mit den Jahren erweiterten sie nicht nur ihren Kundestamm, sondern auch die Zahl der Mitarbeiter innerhalb der Kanzlei. Sie waren an der Spitze angekommen, waren erfolgreich. Gabriel besaß nicht nur ein Segelboot mit entsprechendem Schein, sondern auch mehrere Immobilien, wie teure Autos. Er hatte sich ein Leben erschaffen, welches von außen dem seines Vaters ähnelte, aber im Inneren so anders war. Er hielt sich weiterhin mit Sport, wie Joggen und Krafttraining fit und konnte auf einzelnen Luxusgütern nicht verzichten. Das Allheilmittel Sex war mittlerweile in eine Sucht umgeschlagen, welche er auf Bitten seiner Schwester und seinem Freund Andrew mit einer Therapie bekämpfte. Andrew hatte schnell bemerkt, dass das Gemüt von Gabriel schnell umschlagen konnte, wenn er keine Befriedung bekam, wenn er sie brauchte. Es machte ihn ein klein Wenig unberechenbar, was sich der erfolgreiche Anwalt nicht leisten durfte. Ihm selbst war es bewusst, dass er etwas ändern musste und das der Ursprung allen Übels die Beziehung zu seinem Vater war.

» Aussehen «
1.90 m groß • breite Schulter • ausgeprägte Muskulatur • große Hände, die trotz Büroarbeiten rau wirken • dunkelbraunes Haar, welches er etwas länger trägt • 3-Tage-Bart • braune Augen • markante Gesichtszüge

I | II | III | IV | V

» Sonstiges «
trinkt in Maßen, raucht nicht, ernährt sich gesund




 

Marie Ann Hanson
‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
22 Jahre London • UK Studentin; als Praktikantin eingestellt bei Kingsley&Hamilton Office

» Charakter «
höflich • emotional • optimistisch • ehrgeizig • fleißig • verschlossen • sportlich • nachdenklich • hin und wieder verträumt • feinfühlig • empathisch • freundlich • anpassungsfähig • klug • stellenweise naiv

» Vergangenheit «
Marie hatte eine erfüllte Kindheit. Eine erfüllte Kindheit? Ja, darunter konnte man sich vieles vorstellen und jeder hatte da so seine eigenen Ideale. Doch wenn Marie daran zurückdachte, würde sie jederzeit bestätigen, dass sie die Kindheit gehabt hatte, die sich jedes Kind wünschte. Ihre Eltern hatten ihr alles gegeben. Alles, was sie konnten. Sie war die Nummer eins gewesen. Immer schon. Als einziges Kind hatte sie ohnehin ein Privileg gehabt. In einem rosa Zimmer hatte sie ihre Stunden verbracht, mit Puppen, Kuscheltieren und allem, was ein Kinderherz glücklich machte. Behütet aufgewachsen in einem kleinen Einfamilienhaus mit Garten, Hund und einem Urlaub im Jahr. Und dazu eine große Portion Liebe. Marie hatte so viel Liebe gekriegt. Und deshalb hatte nie für sie außer Frage gestanden, dass ihre Eltern das wichtigste in ihrem Leben waren. Bis zu dem Tag, an dem alles anders werden sollte. An dem das Schicksal es nicht länger gut mit ihr gemeint hatte. Marie war gerade mal junge 13 Jahre alt, als sie aus der Schule zurück kam. Wir sind schnell was einkaufen. Mittagessen steht auf dem Herd, hatte ihre Mutter auf einen Zettel geschrieben. Nichts unübliches. Nichts, worüber Marie sich jemals groß Gedanken gemacht hätte. Also hatte sie getan, was auf dem Zettel gestanden hatte. Sich das Essen vom Herd genommen, den Fernseher eingeschaltet und sich davor gesetzt. Ganz normal halt. So wie immer, wenn sie alleine war und tun konnte, was sie wollte. Eine Eilmeldung jedoch ließ sie heftig zusammenzucken. Auf dem Bildschirm war eine Unfallstelle abgebildet. Mehrere Krankenwagen, Polizisten, helfende Passanten. Ein Autounfall. Ein Auto hatte sich überschlagen. Zwei weitere wurden mit in den Unfall hinein verwickelt. 6 Tote. Verbrannt. Man konnte die Leichen nicht genau identifizieren. Aber das Auto... da war dieses eine Auto. Totalschaden. Trotzdem wusste Marie, dass es das Auto war. Das Auto ihrer Eltern. Total verbeult und hinüber. Marie wusste noch, wie ihr einfach der Teller aus den Händen gefallen und laut zu Boden gefallen war. Zerbrochen. So wie sie - so wie der Teller, war sie in dieser Sekunde vollkommen zerbrochen. Niemand hatte aussprechen müssen, dass ihre Eltern es waren, die in den Unfall mit verwickelt waren. Sie hatte es gewusst. Das bloße Bild, das über den Bildschirm flackerte, hatte es ihr verdeutlicht. Von jetzt auf gleich war sie alleine gewesen. Alleine. Man hatte ihr das wichtigste genommen, das sie hatte. Mit einem mal war alles weg - die Liebe, die Sicherheit, die Geborgenheit, die Lebensfreude. Alles. Sie erinnerte sich noch an die ganzen Polizisten, die mit ihr reden wollten. An die Frau, die sie mit in eine Pflegefamilie nehmen wollte. Andere Angehörige? Nein. Nicht hier. Weit weg. Im Ausland. Marie hatte keine Wahl gehabt. Die Zeit, in der sie im Heim gewesen war, hatte sie weitestgehend verdrängt. Dann war sie in eine Pflegefamilie gekommen. In ärmlichen Verhältnissen. Großfamilie. Ein Zimmer mit drei weiteren. Die Eltern heillos überfordert. Liebe? Nein. Sicherheit? Nein. Geborgenheit? Nein. Man hatte ihr alles genommen und sie dann in ein Leben gesteckt, das vollkommen anders war, als das, was sie immer gekannt hatte. Mit 18 Jahren war sie abgehauen, einfach abgehauen. Sie war nicht mehr auf diese Pflegefamilie angewiesen gewesen, hatte das Jugendamt nicht länger an der Backe gehabt. Sie hatte sich so durchgeschlagen und wenn es nötig gewesen war, Nächte auf der Straße verbracht. Bis sie Liam kennengelernt hatte. Liam. Er war ihr Anker gewesen, hatte ihr einen Dach über den Kopf gegeben, etwas zu Essen und... Liebe. Jedenfalls hatte sie das lange Zeit lang tatsächlich geglaubt. Dass er ihr Liebe gab. Aber eigentlich - so dämmerte es ihr mittlerweile - hatte er sich nur genommen, was er gebraucht hatte. Aufmerksamkeit, wenn er sie wollte. Sex, wenn er es wollte. Spaß, wenn er ihn brauchte. Er hatte eigentlich nur Maries Verzweiflung und Hilflosigkeit für sich genutzt. Ausschließlich für sich; und Marie war blind gewesen, weil da endlich wieder jemand gewesen war, der ihr Aufmerksamkeit geschenkt und Sicherheit gegeben hatte... und bis heute ist Marie abhängig von Liam. Sie wohnen gemeinsam in einer eher bescheidenen Wohnungen und eigentlich ist es ein Wunder, dass Marie es trotz der Umstände irgendwie geschafft hat, ihr Abi zu machen und jetzt zu studieren. Aber trotz der ganzen Widrigkeiten hatte Marie sich schnell ein Ziel gesetzt, das sie nun auch verfolgte. Denn, das hatte sie auch gelernt, brauchte man immer ein Ziel vor Augen, um im Leben glücklich zu werden. Und auch, wenn sich die 22-jährige gerade nicht als glücklich betiteln würde, konnte sie doch voller Stolz sagen, dass sie ein Ziel vor Augen hatte, dem sie immer näher kam. Ein Ziel, das sie von ihrem Alltag wegbrachte. Weg von Armut, Streitigkeiten und Gewalt.

» Aussehen «
1.65 m groß • zierliche Statur • zu dünn für ihre Größe • dunkelbraunes Haar, die Spitzen blond und mittellang • feine, weiche Gesichtszüge • braune Augen •

Bildquelle: x
I | II | III | IV | V

» Sonstiges «
leidet unter Essstörungen, die sie aber ziemlich gut zu verbergen weiß

Antworten Zuletzt bearbeitet am 29.07.2019 18:28.

Michelli.

24, Weiblich

  Fan-Fiction Verfasser

Beiträge: 56

Re: I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

von Michelli. am 29.07.2019 18:29

Gabriel William Kingsley
_________________________________


Irgendwo, gab es einen Willen, einen starken Willen, sich zurückzuhalten und nicht jeden Versuch auszukosten, der einem geboten wurde, um die Finger über den Körper einer Frau gleiten zu lassen. Es war gefährlich und konnte durchaus in einer Anzeige, wegen sexueller Belästigung enden, mit Gabriel auf der Anklagebank. Man musste dafür ein Auge haben, ein Gefühl entwickeln, genau den Grat zu finden, auf dem man sich bewegen musste, ohne in die Tiefe zu stürzen; außer, die Frau zeigte deutlich, lud ihn gerade dazu ein, sie anzufassen. Miss Hanson hatte sich am Abend des Geschäftsessen durchaus willig gezeigt, mit sich machen lassen, was Gabriel für richtig hielt. Sie hatte es genossen, das konnte sie niemals vor ihm leugnen. Er hatte ihr gesagt, dass er eine Schwäche für schöne Frauen besaß und sich diesen mit Vorlieben näherte. Nein, ein Geheimnis machte der Anwalt sicherlich nicht daraus, wenn eine Frau die Frage aussprach, warum er dies tat.
Diese Berührung hatte Miss Hanson nicht kommen sehen, viel mehr, nicht erwartet. Der zarte Körper zuckte zusammen, ehe die junge Frau ihre Augenlider schloss, sich auf die Berührung seiner Finger konzentrierte, sich fallen ließ. Zu gerne hätte Gabriel sie einfach auf seinen Schoß gezogen, seine Lippen über die weiche Haut ihres schlanken Halses gewissenhaft zuführen. Eine Ablenkung in dieser Form tat ihm gut, aber würde ihn auch vollkommen von der eigentlichen Arbeit ablenken, welche er für heute noch erledigen musste. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Dennoch, war es für Gabriel mehr als ein Genus, nicht nur zu sehen, wie sie die zärtlich, gar beiläufige Berührung sichtlich genoss, sondern ihre Lippen mit dem Wort Was eine Frage aussprechen wollten, aber wohl nicht den Mut fand, diese zu vollenden. Was. Erklärungen konnten zu trocken sein, aber auch die Vorfreude im tiefsten Inneren fördern. Die Lust steigern, einem Menschen zu verfallen und all das Verlangen in dessen Hand zu legen – in Gabriels Hände.
Miss Hanson räusperte sich, fing sich wieder, aber brauchte einen gewissen Moment, um zu realisieren, was Gabriel gesagt hatte. Er hatte sie aus der Fassung gebracht, aber genauso schnell, wieder in den Rahmen gestellt. Ihre zierlichen Hände fuhren durch das dunkle Haar, legte es über die Schulter, wodurch eine zarte Röte auf ihren Wangen sichtbar wurde. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, aber der junge Anwalt hatte sich nicht zurückhalten können, wie bei vielen schönen Dingen, die ihn in den Bann zogen. Egal, nun war es zu spät, irgendetwas rückgängig zu machen, oder sich für diese bewusste Berührung zu entschuldigen. „Ja, die Akten.", wiederholte die Stimme des Mannes ihre Worte, verfestigte das Vorhaben sich diesem zu widmen, während er seine Arbeit fortführen konnte. Die Kaffeetasse stellte er etwas zur Seite, zog das Mac näher zur Tischkante, um die E-Mails abzurufen. Mit den Akten wäre die junge Frau einige Zeit beschäftigt, wenn sie sich voll und ganz auf den Inhalt der Fälle konzentrieren würde, gar konnte.
Ein zartes Grinsen lag auf den Lippen des Mannes, als Miss Hanson hinüber zur Sitzecke gehen wollte, er abermals ihre wunderschöne Kehrseite anschauen konnte. Ein Genuss, vor allem, wenn man sich diesen schlanken Körper in Unterwäsche, gar nackt vorstellte. Die Vorstellung wurde jäh zerstört, als der Stifthalter mit einem lauten Aufprall, die Stifte auf den Fliesen des Büros verteilte. Die zierliche Hand hatte das Gefäß berührt, in einer bewussten oder unbewussten Bewegung vom Schreibtisch befördert. In Sekunden verspannte sich der maskuline Körper, verhärteten sich die Gesichtszüge des Mannes, während dieser versuchte die Atmung zu kontrollieren, um kein böses Wort oder gar die Beherrschung zu verlieren. Anders sein, anders handeln. Erinnerungen trieben sich erbarmungslos in seinen Kopf, nahmen ihm die Realität. Der Blick entfernte sich im Nichts, die Stimme seiner aufgelösten Mutter dran an seine Ohren. Nein, tu das nicht. Tu ihm das nicht an.Ein Schluchzen, stumme Tränen. Nein, er ist doch noch ein Kind. Der Vater kannte kein Erbarmen, es gab kein Entkommen, wenn die harte Hand erhoben wurde. Es waren Kleinigkeiten, welche man manchmal nicht verhindern konnte, die einfach passierten. Ein Teller, eine Tasse. Eine Gabel, welche nicht mal in tausend Teile zersprang, wenn sie unsanft den Boden küsste. Es war egal, denn der Vater fand immer einen Grund am eigenen Kind Gewalt anzuwenden, um es spüren zu lassen, dass es etwas Falsches getan hatte. Falsch, war so ein dehnbarer Begriff, war reine Auslegungssache des Vaters. Es gab Regeln, ungeschriebene Gesetze im Hause der Kingsleys, welche Gabriel kannte und einzuhalten wusste. Manchmal, brauchen Menschen keinen Grund, um Gewalt anzuwenden; sie tun es einfach.
Ein Lachen, welches ihn in die Realität beförderte, ließ die Stimmen in seinem Kopf verstummen. Miss Hanson hatte den Stifthalter wieder vom Boden erhoben, die einzelnen Stifte verstaut, ehe der Behälter wieder auf den Tisch abgestellt wurde. „Kann ja passieren.", presste Gabriel die Worte aus seinem Mund, verzog keine Miene, ballte die Hand zu einem Faust und löste diese bei seinem nächsten Atemzug wieder. War das ihr Ernst gewesen? Die Art, wie sie sprach, wie das Lachen über ihre Lippen gerollt war. Sie konnte es ihm schriftlich geben, dass es aus Versehen passiert war, aber er würde ihr nicht glauben. War das eine Retourkutsche gewesen, den Chef dermaßen zu provozieren? Das scheue Reh wollte sich im warmen Fleisch des Raubtieres verbeißen, den Geschmack im Mund haben, wie es ist, wenn man an der Nahrungskette stand. Vielleicht sollte er doch die Finger von ihr lassen, damit sie nicht mutwillig, seine Sachen beschädigte oder ihn wütend machte. Einmal. Nur einmal, hatte Gabriel die Kontrolle verloren und zugeschlagen. Er war in der Lage die Wut zu kontrollieren, wenn sie sich zwischen Lust und Verlangen schob, und alles umhüllte. Einmal, ist nicht keinmal. Einmal, wird immer einmal bleiben, egal, wie sehr man versucht es zu verdrängen. Es ist passiert, es ist okay. Nichts. Nichts, war in dieser verhängnisvollen Nacht okay gewesen, aber das Verständnis, was ihm entgegen gebracht wurde, hatte den Schmerz in seiner Brust gelöst.
Gabriel nickte, schluckte die Worte hinunter, welche ihn auf der Zunge brannten. Manchmal, war es besser zu schweigen, alles hinunter zu schlucken, anstatt das Wort zu erheben. So wandte sich der Blick des Mannes vollkommen von Miss Hanson ab und fiel auf den Bildschirm des Macs; zugleich öffnete sich das Programm für die E-Mails. Per Mausklick öffnete er die erste E-Mail des Tages, welche allerdings schon gestern Abend in das Postfach geflogen war. Er musste sich konzentrieren, was im äußerst schwer fiel, wenn Miss Hanson in seiner Nähe war. Die Gedanken schweiften ab, konnte er nicht wirklich glauben, dass es volle Absicht von ihr gewesen war. Immerhin, war sie zu Beginn ihres Aufeinandertreffens ziemlich nervös und angespannt gewesen, was sie wohl nun gelegt hatte. Wahrscheinlich hatte sie sich lasziv nach vorne gebückt, was ihm vollkommen entgangen war. Trotzdem, die Kontrolle lag bei ihm, nicht bei ihr. Bis zu einem gewissen Maß, konnten die Grenzen verschwimmen. Gabriel mochte Herausforderungen. Starke Frauen, die wussten was sie wollten, aber ihn mit ihrem Handeln nicht provozierten, sondern ihn direkt zeigten, was sie von ihm verlangten.

Antworten

Michelli.

24, Weiblich

  Fan-Fiction Verfasser

Beiträge: 56

Re: I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

von Michelli. am 29.07.2019 18:30

Marie Ann Hanson
______________________

War es richtig gewesen Mr. Kingsley so provozieren? Hätte ich vielleicht doch stillschweigend meinen Platz verlassen und es so hinnehmen sollen? Seine Provokation als Anerkennung abharken und es dabei belassen sollen? Ich zweifelte kurzzeitig an mir, reflektierte noch einmal, was ich gerade getan hatte. Tatsächlich hatte ich extra seinen Stiftebehälter vom Tisch geschoben, um mich dann lasziv vor ihm bücken zu können. Gott, ich erkannte mich nicht einmal wieder. Das war nicht meine Art. Wirklich nicht. Ich war nicht diese Art von Frau, die sich dadurch Aufmerksamkeit erhoffte. Generell hatte Sexualität in meinem Leben nie eine große Rolle gespielt. In der Zeit, in der ich kein Zuhause gehabt hatte, war es mir durchaus mal zu gute gekommen, dass ich weiblichen Geschlechts war. Und dann hatte ich Liam kennengelernt, natürlich auch mit ihm geschlafen. Und nicht nur einmal. Doch es hatte mich nie erfüllt - es hatte mir nicht das Gefühl gegeben, mit jemandem förmlich zu verschmelzen - vor Lust zu zergehen. Ich hatte nie gewusst, was Leidenschaft war, mich aber auch nie danach gesehnt. Ich hatte es einfach nicht gebraucht. Natürlich war es immer schön gewesen. Auch Liams Zuwendung, seine Liebkosungen hatten mir gut getan, aber sie hatten mich nie vergessen lassen. Sie hatten mir nie gänzlich den Verstand geraubt. Ich hatte mich nie fallen lassen. Da ich es nicht anders gekannt hatte, hatte ich es nie in Frage gestellt. Es war in Ordnung gewesen - schön. Aber vielleicht reichte das nicht. Vielleicht gab es eine Steigerung dessen. Vielleicht... war Mr. Kingsley eine Steigerung dessen. Ich wusste nicht, was es war, doch sobald mich sein lusterfüllter Blick traf, glaubte ich in Flammen aufgehen zu müssen, so warm wurde mir plötzlich. Wenn seine Finger meine Haut berührten - auch wenn es nur beiläufig war - hinterließ er dieses Kribbeln, dieses unbeschreibliche Gefühl, das sich mit nichts vergleichen ließ. Wenn seine Lippen auf meine Haut traten, hinterließ sein Mund eine heiße Spur, die ich nie mehr missen wollte. Er konnte mit so wenigen Berührungen so viel in mir auslösen, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Und ich konnte mir nur gedanklich ausmalen, wie es wäre, wenn er mehr mit mir machen würde. Wenn wir uns auf eine noch intimere Art und Weise nah kommen würden. Wahrscheinlich wäre es der Himmel auf Erden. Wie auf Wolke 7. Unbeschreiblich. Natürlich würde ich gerne wissen, wie es war. War neugierig auf mehr. Wollte wissen, wie Mr. Kingsley sowas in mir auslösen konnte, warum ich so sehr auf ihn reagierte. Auch wenn ich mich dagegen wehren wollte, konnte ich seinen Fingerspitzen nicht widerstehen, wenn sie sanft meine Oberschenkel hinauf fuhren. Ich konnte einfach nicht!
Als ich von der Akte zu ihm aufsah, bemerkte ich, dass seine Hände zu Fäusten geballt waren. Irgendwas an seinem Gesichtsausdruck hatte sich verändert. Von einem Anflug der Lust war nichts mehr zu sehen, gar nichts. Er sah geradezu wütend, aufgebracht aus. Irgendwie gereizt und ich hatte keine Ahnung, woraus dies rührte. War es, weil ich etwas von ihm herunter geworfen hatte? Weil ich ihn provoziert hatte? Ich presste meine Lippen zu einer schmalen Linie zusammen und fragte mich, was auf einmal mit ihm los war. Sollte ich ihn besser darauf ansprechen? Mich entschuldigen für eben? Allein schon die Art, wie er mir geantwortet hatte. Vollkommen anders, als vor wenigen Minuten noch. Ich spielte nervös an der Akte herum, während ich in meinen Gedanken schwelgte und mich fragte, was ich jetzt am besten tun sollte. Dabei entging mir vollkommen, dass ich plötzlich eine der Seiten einriss, was die Stille, die im Raum lag, mit einem Mal zerschnitt. Oh nein. Abrupt ließ ich die Akte los, so dass sie schlussendlich zu Boden fiel und erneut ein unangenehm lautes Geräusch in dem großen Büro von sich gab. Plötzlich wirkte es größer, als die letzten Tage noch und die Stille, die zwischen uns lag, war nicht mehr länger angenehm. Nun war auch das wohlige Gefühl, dass er in mir hinterlassen hatte, dahin. Am liebsten wäre ich geflüchtet. "Tut mir leid...", murmelte ich, während ich mich vorbückte und die Akte wieder vom Boden aufhob, sie sorgfältig auf dem kleinen Tisch vor mir ablegte. Natürlich musste ich mich ausgerechnet in solchen Situationen wieder total daneben benehmen und das nicht einmal bewusst. Geplant war es jedenfalls nicht gewesen!
Wieder fiel mein Blick zu der Akte, die nun bei einer Seite einen tiefen Riss hatte. Schuldbewusst strich ich mit den Fingerspitzen darüber, ehe ich wieder aufstand und zu seinem Schreibtisch zurück ging. Wenn auch zögerlich. Davor kam ich letztlich zum Stehen. "Hätten Sie... Tesafilm?", fragte ich unsicher nach, während ich die Akte in meinen Händen hielt, als sei sie etwas sehr wertvolles. Hoffentlich würde er nun nicht noch wütender werden. Denn gerade konnte ich ihn nicht im geringsten einschätzen. Null. Er schien unberechenbar zu sein, was mitunter seine ganze Ausstrahlung beeinflusste. Hätte ich den Riss besser unkommentiert gelassen? Dann hätte ich sämtliche Kommunikation mit ihm erst einmal vermeiden und mich einfach in die Akten stürzen können. Jetzt war es ohnehin zu spät und ich konnte nur hoffen, dass seine Reaktion mild ausfiel. Gerne kühl und distanziert, wie am Anfang, aber nicht wütend. Einen wütenden Chef konnte ich wirklich nicht gebrauchen. Und das würde mich wohl wieder um Welten zurück werfen - so dass ich Donnerstag schon wieder mit zittrigen Beinen hier auftauchen würde. Quasi so, wie an meinem ersten Tag. Und das war das Letzte, was ich wollte und gebrauchen konnte.

Antworten

Michelli.

24, Weiblich

  Fan-Fiction Verfasser

Beiträge: 56

Re: I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

von Michelli. am 29.07.2019 18:31

Gabriel William Kingsley
_______________________

 

Die Stille im Büro, wurde allein durch das Tippen seiner Finger auf den Laptop und dem gleichmäßigen Blättern in den Akten von Miss Hanson unterbrochen. Gabriel konnte sich nicht wirklich konzentrieren, musste jeden Satz zweimal lesen, um nichts zu überlesen, was ihm später einen Strick drehen konnte. Es konnte zu einem fatalen Fehler führen, was ihm nicht nur die Karriere, sondern auch das angestrebte Leben zerstören konnte, welches er sich durch harte Abriet aufgebaut hatte. Ein langer Weg, voller Schmerz und Qual, aber Gabriel hatte niemals aufgegeben, immer weiter gekämpft und sich am Ende Hilfe geholt, damit ihm die Sucht nicht vollkommen im Leben einschränkte. Irgendwann wurde ihm alles zu viel, was nicht unbedingt an der Arbeit lag, die ihm von all dem Schlechten ablenken sollte. Die Kontrolle über sein Leben entglitt ihm immer mehr aus den Händen, bis er nicht mehr Herr über sich selbst war. Ob man von Fortschritten reden konnte, seit Gabriel regelmäßig die Therapiestunden bei seiner Therapeutin wahrnahm? Irgendwie schon, und irgendwie nicht. Es war schwer zu beschreiben, in welchen Zustand sich der junge Mann befand, aber solange er die Kontrolle über sich selbst nicht verlor, war das Leben im Moment recht angenehm zu genießen. Keine finanziellen Sorgen, keine gesundheitlichen Gebrechen. Ihm ging es gut, er vermisste nichts, was ihm das Leben schöner machen würde. Nein, er war nicht mal auf der Suche nach der großen, wahren Liebe. Liebe, war ein begrenztes Gut in seinem Leben gewesen; schon immer.
Gabriel zuckte innerlich zusammen, behielt die Finger wenigen Millimeter über der Tastatur in der Schwebe und schloss kurz die Augen. Erst landet der Stifthalter auf den Boden, nun wurde die Seite einer Akte zerrissen. Schließlich landete der Ordner mit einem lauten Aufprall auf den Fliesen seines Büros und ließ den angespannten Körper des Mannes heftig zusammenzucken. Nur nicht die Nerven verlieren, dachte sich Gabriel und versuchte die Ruhe zu bewahren. Einatmen, ausatmen. Positiv denken, nicht in die Vergangenheit abdriften. Das Hier und Jetzt zählte, nicht der Schmerz der Erinnerungen, welche ihn vor allem in den tiefen Nächten den Verstand raubten. Das dunkle Augenpaar blickte vom Bildschirm des Laptops auf, als leise Worte seine Ohren streifen. Tut mir leid, murmelte die Stimme von Miss Hanson durch den hellen Raum, ehe sie sich bückte, damit die zierlichen Hände den Ordner vom Boden aufheben konnte. Kaum merklich schüttelte Gabriel den Kopf, blickte wieder auf die E-Mail, welche er angefangen hatte, zu beantworten. Allzu lange konnte er sich der Antwort nicht widmen, denn das Geräusch von Absätzen auf Fliesen, welches das Näherkommen von Miss Hanson hervorsagte, nahm ihm wieder die Aufmerksamkeit. Der junge Mann blickte auf, als im Augenwinkel der zierliche Körper vor seinem Schreibtisch zum Stehen kam, schuldbewusst den Ordner auf beiden Händen trug. Ein knappes Nicken, ehe der Oberkörper sich zur Seite beugte, um eine untere Schublade zu öffnen. Die Finger griffen nach dem Abroller, der mit einer Rolle Tesafilm bestückt war und stellte diesen kommentarlos vor die junge Frau auf den Schreibtisch ab. Normalerweise wäre ihm eine neue Kopie der Seite lieber, aber da es sich um einen alten, längst abgeschlossenen Fall handelte, konnte der Riss in der Seite mit einem ein paar Streifen Tesafilm geflickt werden, sparte auch Papier. So lange sie nicht jeder Seite einen Riss verpasste, war es okay. Aber, sie hatte nun auch eine Rolle Tesafilm, wenn sie wirklich so ungeschickt war, sollte ihr Glück, aber nicht herausfordern.
Wohlwissend, sich nun wieder der E-Mail zu widmen, da Miss Hanson mit Tesafilm versorgt war, öffnete sich die Bürotür; aus dem Nichts. „Mr. Kingsley, ich bräuchte...", weiter kam die feminine Stimme nicht, wurde im Keim erstickt. „Können Sie nicht einmal anklopfen, wie jeder Mitarbeiter auch, Miss Carter?" Die Worte, kraftvoll ohne Erbarmen, waren wie ein Schlag mitten ins Gesicht, zerstörten alles, was sie nur berührten. Lynn hielt in der Bewegung inne, sah ihren Chef skeptisch an, ehe sie kurz zu Miss Hanson schaute und wieder ihrem Chef ins Gesicht. Die Blonde nickte nur, ehe sie rückwärts aus dem Raum trat, die Tür wieder ins Schloss zog. Perplex sah Gabriel die Tür an, bemerkte erst jetzt, wie aggressiv er Lynn angesprochen hatte. Er seufzte, schloss kurz die Augen, welcher er mit Daumen und Zeigefinger massierte. War das ihr Ernst? Ein zartes Klopfen dran nach ein paar stillen Sekunden an seinen Ohren. „Herein.", erklang die maskuline Stimme, hatte jegliche Kraft verloren. Die Tür öffnete sich abermals, ein Grinsen zog sich über das feminine Gesicht und Lynn trat mit einem kleinen Stapel Papier unter dem Arm in den Raum. Selbstbewusst, wie eh und je, trat sie schwungvoll zum Schreibtisch, neben Miss Hanson. „Mr. Kingsley, ich bräuchte ein paar Unterschriften von Ihnen." Mit den Worten, und einem sachten Lächeln auf den Lippen, legte Lynn die Blätter vor ihrem Chef ab, welche kurz an der Tasse nippte und den Füller zwischen Daumen und Zeigefinger nahm. Schwungvoll setzte er auf den Linien seine Unterschrift, legte die Blätter wieder zu einem Stapel zusammen und den Füller aus den Fingern. „Danke.", kam es knapp über die roten Lippen von Lynn, wollte sich gerade auf den Weg hinaus machen. „Warten Sie, Miss Carter. Sie können den Vertrag von Miss Hanson mitnehmen. Kopieren und einordnen." Gabriel hielt der jungen Frau die zusammengetackerten Blätter hin, welche von der zierlichen Hand ergriffen wurden. „Gerne, wie Sie wünschen, Mr. Kingsley.", erklang die feminine Stimme, das blaue Augenpaar fing den Blick des Mannes vollkommen ein, ehe sich Lynn schließlich umdrehte und das Büro wieder verließ. Einen Moment lang blickte der junge Anwalt die verschlossene Tür an, sortierte die Gedanken, fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen und sah wieder auf das Display seines Macs.

Antworten

Michelli.

24, Weiblich

  Fan-Fiction Verfasser

Beiträge: 56

Re: I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

von Michelli. am 29.07.2019 18:31

Marie Ann Hanson
_______________________


Mr. Kingsley war angespannt, geradezu verspannt. Er saß nicht sehr entspannt in seinem Sessel und auch als ich direkt vor seinem Schreibtisch saß, dauerte es einen Augenblick, bis er mir seine Aufmerksamkeit zukommen ließ. Wortlos nickte er nur, machte keinen Kommentar zu meinen kleinen Missgeschicken. Er hatte es durchaus bemerkt, da war ich mir sicher. Mehr als nur sicher. Der kleine Riss hatte die Stille im Büro förmlich zerschnitten. Nun wurde die Stille von Mr. Kingsleys Handgriffen gestört. Wenig später stellte er mir einfach das Tesafilm vor die Nase, sagte nichts dazu. Mein Blick fiel unauffällig von ihm zu dem Tesafilm und schließlich zu der Akte in meinen Händen. Er war wegen mir so sauer, so angespannt, so distanziert. Wegen mir hatte er diese plötzlichen Stimmungsschwankungen. Ich musste es gar nicht mehr hinterfragen. Es lag auf der Hand, dass es mein Verschulden war. Mit niemandem sonst hatte er in den letzten Minuten in Interaktion gestanden, außer mit mir. Und seinem Mac vor ihm. Doch ich konnte mir nicht vorstellen, dass ihn eine E-Mail oder etwas anderes so dermaßen aus der Fassung gebracht hatte. Es lag an mir - ich hätte seine Stifte nicht vom Tisch schmeißen sollen. Dass er jedoch so darauf reagieren würde, hätte ich niemals gedacht. Nicht einmal erahnen können. Es hatte eine süße Provokation sein sollen, stattdessen hatte sie seine Laune auf den Tiefpunkt gebracht. Als ich das Büro vorhin betreten hatte, war seine Laune noch gut gewesen. Sofern ich es eben beurteilen konnte. Vielleicht war er da schon gereizt gewesen und meine Provokation hatte das Fass zum Überlaufen gebracht... letztlich konnte ich nur spekulieren, doch das schlechte Gewissen fraß mich förmlich von innen auf. "Danke...", murmelte ich schließlich, ehe ich die Akte auf den Schreibtisch legte und vorsichtig den Riss klebte, den ich verursacht hatte. Ich fuhr mit Vorsicht über den Streifen, um ihn zu festigen, dann schloss ich die Akte sorgfältig. Bevor ich ihm die Tesafilmrolle zurückgeben und noch etwas sagen konnte, wurde urplötzlich die Tür geöffnet, so dass ich zusammenzuckte, als Mr. Kingsleys Stimme plötzlich laut und genervt den Raum erfüllte. Ein Blick über meine Schulter verriet mir, dass es Mrs. Cater war, die es gewagt hatte, ohne Klopfen einzutreten. Er reagierte wirklich überempfindlich darauf, wenn jemand einfach so sein Büro betrat. Dabei tat er hier doch gar nichts Verbotenes. Wahrscheinlich hatte er sie nur so angefahren, weil ich ihn verärgert hatte. Schuldbewusst sah ich dabei zu, wie sie den Raum wieder verließ. Lange dauerte es jedoch nicht, bis sie zaghaft anklopfte und Mr. Kingsley ihr Einlass gewährte. Er übertrieb maßlos, aber ich ließ es unkommentiert, als sie nun erneut herein kam und an den Schreibtisch trat, ihren Satz diesmal zu Ende brachte. Schweigend beobachtete ich die Situation zwischen den Beiden, bis die selbstbewusste Blondine wieder das Büro verlassen hatte.
"Mr. Kingsley", versuchte ich es erneut, denn ich wollte wirklich nicht, dass er den Rest des Tages eine solche Laune hatte. "Ich wollte Sie wirklich nicht verärgern eben. Es war ein Versehen gewesen... mit den Stiften." Lüge. Aber was sollte ich sagen? Ich wollte Sie provozieren? Ihnen meine Kehrseite präsentieren? Bestimmt nicht. Allein der Gedanke daran ließ mich erröten, so dass ich meinen Blick einen Moment abwandte und zur Seite sah. Nach ein paar Sekunden Stille sagte ich noch etwas. "Vielleicht... noch ein Kaffee? Oder... etwas kleines zu Essen? Ich könnte schnell zum nächsten Bäcker gehen", schlug ich vor, als eine Art Wiedergutmachung. Möglicherweise würde ihm das ja wirklich helfen. Viele andere Möglichkeiten hatte ich jedoch nicht. Jedenfalls hatte ich keine Idee, womit ich seine Laune sonst verbessern könnte. Während ich auf eine Antwort seinerseits wartete, kehrte ich zurück zu der Sitzecke, um die Akte zu den restlichen zu legen. Dann wandte ich mich ihm wieder zu, blieb jedoch auf Abstand, da ich nicht wissen konnte, wie er reagieren würde. Normal? Gelassen? Gereizt? Alles war möglich und ein kleiner Sicherheitsabstand war wohl gar nicht so schlecht. Denn so wie Mrs. Carter wollte ich nicht angefahren werden. So selbstbewusst wie sie daraufhin geblieben war, würde ich jedenfalls nicht bleiben können. Glaubte ich. Aber unter Mr. Kingsleys Ausstrahlung fiel es mir ohnehin unglaublich schwer auch nur den Hauch von Selbstbewusstsein an den Tag zu legen. Aber wie immer tat ich mein Bestes, straffte bewusst meine Schultern.

Antworten

Michelli.

24, Weiblich

  Fan-Fiction Verfasser

Beiträge: 56

Re: I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

von Michelli. am 29.07.2019 18:32

Gabriel William Kingsley
_________________________


Manchmal waren es die kleinen, unbedeutenden Dinge, welche Gabriel aus der Ruhe brachten, ihm die Kontrolle nahmen. Selbst würde sich der junge Mann nicht als unberechenbar einschätzen, wenn dann eher als impulsiv. Ein kleiner Anstoß und alles glitt ihm aus dem Gesicht, vernebelte die Sinne, nahm jegliches Gefühl und ließ Wut und Schmerz zurück. Unkontrollierbar. Erst, wenn es längst zu spät war, konnte Gabriel realisieren, dass er die Kontrolle über Stimme und Mimik verloren hatte. Von Zeit zu Zeit, kam es seltener vor, konnte sich der junge Mann dennoch zurückhalten, wenn die Situation zu eskalieren drohte. Früher, hatte er oft den Raum verlassen müssen, sich kurz entschuldigt, um sich abzureagieren. Natürlich, war dies mehr als unhöflich gewesen, den Raum mitten in einem Meeting oder einem wichtigen Termin zu verlassen, aber alles andere, hätte einen noch schlechteren Eindruck hinterlassen. Die wenigstens Menschen in seinem unmittelbaren Umfeld wusste über seinen Vergangenheit Bescheid. Es gab nichts zum Prahlen, oder um Mitleid zu erbitten. Man wusste, dass er aus gutem Haus kam, zur oberen Gesellschaftsschicht gehörte. Was soll so einem wohlerzogenen Jungen schon schreckliches passiert sein, wenn er nie in Berührung mit finanziellen Sorgen gekommen war? Ein Leben in Saus und Braus, Luxus pur. Vielleicht besaß der junge Anwalt nur ein aufbrausendes Gemüt, konnte schnell den Geduldsfaden verlieren. Ein Charakterzug, wie jeder andere, musste nicht unbedingt ein schlimmes Erlebnis dran schuld sein, das man schnell die Fassung verlor. Für manche erschien es grundlos, suchten gar den Grund bei sich selber, ohne zu wissen, dass der Grund vor ihnen stand.
Ich sollte mich bei ihr entschuldigen, dachte sich Gabriel, während der Blick auf der verschlossenen Tür lag. Lynn war niemand, der ziemlich nachtragend war; zu mindestens bei dem jungen Mann nicht. Wahrscheinlich kannten sie sich zu lange, zu gut, zu intim, wussten über die Probleme und Sorgen des anderen Bescheid. Man verstand sich ohne Worte, konnte sich stumme Blick zuwerfen und wusste, was sein gegenüber dachte. Sie konnte über alles reden, hatten keine Geheimnisse voreinander. Erst die zarte Stimme von Miss Hanson, ließ den dunklen Blick des Mannes auf diese lenken, machte deutlich, dass er sich nicht alleine im Büro befand; auch, wenn es ihm in diesem Moment lieber gewesen wäre. Nicht für sich, sondern für Miss Hanson. „Wie gesagt, kann ja mal passieren.", wiederholte er seine Worte mit mehr Ruhe in der Stimme, besaß aber nicht die Kraft sich ein Lächeln ins Gesicht zu zwängen. Konnte er ihren Worten glauben? Ja, das es ein Versehen war? Oder sagte sie diese Worte nur, weil sie nicht den Zweck erfüllt hatten. Ein Versuch war es wert gewesen, aber den Zweck hatte dieser nicht erfüllt. Egal, was es am Ende gewesen war, es passte nicht zu ihrer Art; vielleicht hatte sie sich auch nichts dabei gedacht. Entweder, sie ließ sich auf ihn und sein Spiel ein, oder hielt Abstand, oder sprach es gar aus, dass sie es nicht wollte.
„Nein, danke.", gab er knapp zur Antwort, als die junge Frau versuchte den Chef etwas Gutes zu tun. Es war ein Tiefpunkt, der eigentlich ganz gut war, wenn man bedachte, mit was sie es wieder gut machen könnte. Sie hatte sich kurz von ihm abgewandt, die Akte zurück auf den niedrigen Tisch gelegt, aber blieb auf Abstand. Hatte sie Angst? Oder, nur Respekt? Die Art, mit der er mit Lynn umgegangen war, war hart und grob gewesen, was diese aber nicht verschreckt hatte, weil sie ihren Chef kannte. Auf Miss Hanson hatte es sein volle Wirkung gezeigt, indem sich nun einen gewissen Abstand eingenommen hatte. Es gefiel ihm nicht, dass sie nun einen falschen Eindruck von ihm hatte, auch, wenn solch ein impulsives Verhalten nicht selten sein konnte. Es war das vollkommene Kontrastprogramm gewesen, das sie bekommen hatte, musste wahrscheinlich erstmal selber die Gedanken sortieren, wie sie ihren Chef nun einschätzen sollte. „Es tut mir leid, dass ich so überreagiert habe." Die Worte fielen ihm schwer, war er nicht der Typ, der sich gerne für sein Verhalten entschuldigte, obwohl ihm bewusst war, dass es von Nöten war. Es gab einen Grund, aber diesen würde er vor Miss Hanson nicht nennen, weil es die junge Frau nichts anging. Die wenigsten Frauen, welche die Nähe von ihm auskosten durften, wussten über ihn Bescheid und, wenn man ehrlich war, interessierte es die wenigsten.

Antworten

Michelli.

24, Weiblich

  Fan-Fiction Verfasser

Beiträge: 56

Re: I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

von Michelli. am 29.07.2019 18:33

Marie Ann Hanson
__________________________


Wahrscheinlich war es Mr. Kingsley längst aufgefallen, dass ich wieder eine passivere, zurückhaltendere Haltung eingenommen hatte. Ein Blinder mit Krückstock hätte es wohl gesehen bzw. bemerkt. Aber seine plötzlichen Stimmungsschwankungen hatten in gewisser Weise abschreckend auf mich gewirkt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er so schnell von guter Laune zu plötzlicher Gereiztheit wechseln konnte. Als hätte er einen Schalter umgelegt, nur einen kurzen Knopf gedrückt und schon hatte sich seine ganze Stimmungslage verändert. Etwas, womit ich nicht so Recht umzugehen wusste. Im privaten Kontext wäre es leichter gewesen. Ich hätte fragen können, was los war, was ich für ihn tun konnte. Ich hätte ihm zuhören und gegebenenfalls helfen können. Doch hier in diesem beruflichen Umfeld war es nicht so einfach. Es würde zu weit gehen, würde ich ihn fragen, warum seine Stimmung plötzlich so schlecht war. Ihm helfen könnte ich auch nur bedingt. Und die einzige Maßnahme, die mir eingefallen war, schlug er aus. Einen Kaffee wollte er nicht. Natürlich hätte ich ihm auch andere Vorschläge diesbezüglich machen können: Tee, Wasser... Aber das hätte er auch selbst äußern können, wenn ihm nur einfach nicht nach Kaffee war. Letztlich konnte ich also nichts für ihn tun, außer noch das Büro zu verlassen, wenn er lieber seine Ruhe haben wollte. "Wenn es Ihnen hilft, könnte ich Sie auch ein paar Minuten alleine lassen." Ich deutete mit der Hand über meine Schulter zur Tür, wandte mich ihm dann wieder gänzlich zu - stets darauf bedacht den Sicherheitsabstand weiterhin einzuhalten. Fast so, als wäre er ein Raubtier, an dessen Käfig man sich nicht herantraute. Gerade wirkte er aber auch ziemlich unberechenbar. Es wäre bloß zu meinem eigenen Schutz - zumal ich nicht wusste, wann seine Spielchen weitergehen würden. Ob er dazu gerade in der Lage oder gar Stimmung war. Doch einen weiteren so plötzlichen Wechsel würde ich wohl kaum aushalten können. Es fiel mir jetzt schon unheimlich schwer herauszufinden, wie ich mich nun verhalten sollte.
Unsicher verschränkte ich meine Hände ineinander, hielt sie vor meinem Körper. Fast so, als würde ich auf eine Anweisung warten - Stehenbleiben und weiterreden oder ihn in Ruhe lassen. Vielleicht hoffte ich indirekt auch auf eine solche Anweisung. Sie hätte es mir um einiges leichter gemacht. Letztlich aber war es etwas anderes, das er über seine Lippen brachte. Eine Entschuldigung? Dass er überreagiert hatte? Dass es seinerseits wirklich zu einer Überreaktion gekommen war, hätte ich längst bemerkt, doch dass er es selbst einsah? Ich lächelte sachte und war fast schon froh über das Stück Menschsein - es war menschlich Fehler zu machen, überzureagieren, mal gereizt zu sein. Sowas erwartete man von einem Mann wie Mr. Kingsley nicht, doch in gewisser Weise machte ihn das nur sympathisch. Er war also doch auch menschlich, nicht nur eine Maschine, die ganz auf ihre Arbeit ausgerichtet war. Mein Lächeln wurde noch ein Stück breiter, ehe ich sachte mit dem Kopf schüttelte und es abtat. "Kein Problem, das passiert jedem mal." Vielleicht war es für ihn ein Problem, wenn Dinge zu Boden fielen. Mich beispielsweise störte es ungemein, wenn jemand stundenlang mit dem Löffel in seiner Tasse rührte. Es waren kleine, nervige Geräusche, auf die man sich dann einfuhr - förmlich fixierte - und die einem irgendwann den letzten Nerv raubten. Mr. Kingsley war neben seiner Rolle im Büro also auch noch ein Mensch mit Interessen, Macken, Hobbies und einem Privatleben. Jedenfalls gab er mir immer mehr Anhaltspunkte dafür. "Sie könnten ein paar Minuten an die frische Luft gehen... mir hilft sowas immer. Einfach mal durchatmen und den Kopf frei kriegen." Ich zuckte mit den Schultern und warf einen Blick nach draußen. Die Sonne stand am Himmel. Es sah schön aus draußen. Und für ein paar Minuten könnte ich ihn entbehren, mich hoffentlich gänzlich auf die Akten konzentrieren. Würde er wollen, dass ich mit nach draußen kam, hätte ich auch nichts dagegen. Aber... wieso sollte er das schon wollen?

Antworten

Michelli.

24, Weiblich

  Fan-Fiction Verfasser

Beiträge: 56

Re: I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

von Michelli. am 29.07.2019 18:34

Gabriel William Kingsley
____________________________


Man kann rennen, und rennen. Rennen, bis ans Ende der Welt. Rennen, bis man atemlos zusammen bricht. Rennen, aber niemals entkommen. Die Vergangenheit, Erinnerungen sind Teile eins Lebens, welches man sich nicht ausgesucht hat. Nein, man wird geboren, erwacht zum Leben, aber man wird nicht gefragt, ob man genau an diesem Ort sein will. Man kann verdrängen, aber niemals vergessen. Es ist da, auch, wenn man es nicht sieht; man spürt es. Man kann es nicht abstreifen, wie eine Schlange ihre alte Haut, um daran zu wachsen. Zurücklassen, nie mehr wiederkehren. Immer, immer wieder kriecht es an die Oberfläche, kratzte schonungslos am Bewusstsein, um zu atmen. Wie soll man sich von etwas trennen, was mit dem Leben zusammengewachsen war? Unmöglich, ohne das Leben zu beenden. Und selbst dann, wer versprach, dass man in Frieden gelassen wurde. Am Ende gab es nur eine Möglichkeit, wozu Gabriel nicht bereit war; es kratzte an seiner Ehre und Würde. Vor langer Zeit hatte er den Zufluchtsort seiner Kindheit für immer verlassen und wollte sicherlich nach all den Jahren nicht einen Fuß in die Villa seines Vaters setzen, die Therapeutin war einer anderen Meinung. Vielleicht wäre es etwas anderes, wenn das Gebäude leer stehen würde, aber sein Vater wohnte weiterhin dort, mit all den schmerzhaften Erinnerungen. Der Schritt war notwendig – sich der Vergangenheit stellen – und trotzdem würde ihn die Einsamkeit erdrücken, der Schmerz zerfressen. Allein sein, war etwas wunderbares, aber nicht immer. Die Gefahr war zu groß einen Entschluss zufassen, dem man besser ausreden sollte und darum schüttelte Gabriel den Kopf, verneinte die Worte von Miss Hanson, das sie für ein paar Minuten den Raum verlassen würde. Irgendwie, war es ihre Schuld, aber sie konnte nichts dafür, weil sie ihren Chef nicht gut genug kannte, um zu wissen, was ihm nicht besonders gefiel.
Ein sachtes Lächeln zierte ihre feinen Lippen, während sie die zierlichen Hände ineinander vor dem schlanken Körper hielt. Jeder Reaktion folgte das dunkle Augenpaar des Mannes, wollte diese einfangen, nie mehr los lassen. Manchmal bröckelt die Fassade einfach, ohne, dass man es mitbekommt und vielleicht war es gut, dass man nicht unnahbar war. Jeder hatte eine Meinung, ein Urteil, ein Bild vor Augen, ob es am Ende der Wahrheit entsprach, war wage zu bezweifeln. Schließlich verneinte Miss Hanson seine in Worte verfasste Entschuldigung, in dem sie ihren Kopf schüttelte, das Lächeln die Mundwinkel ein Stück weiter empor zog. Gabriel nickte. Das, passiert jedem Mal. Aber, es durfte nicht passieren. Nicht ihm, nicht hier, nicht vor der jungen Frau. Der Grund war so offensichtlich, und trotzdem unergründlich. Eine Entschuldigung, würde dies jemals reichen, um die Schmerzen zu lindern, die Wunden zu heilen? Die Narben würden bleiben, waren auf dem maskulinen Körper verewigt; in Ewigkeit. Ein Mahnmal roher Gewalt, ohne Verständnis. Gabriel konnte durchaus empfindlich werden, obwohl er nicht zimperlich war. Nein, er war hart ihm nehmen, konnte psychisch, wie körperlich einiges aushalten, aber manchmal brach selbst ein Mann, wie Gabriel unter der Belastung einfach zusammen. Das Leben war nicht leicht, meistens unfair, aber dennoch gab man nicht auf. Warum? – Weil man nur ein Leben hat, und man sollte das Beste daraus machen. Man kann war ändern, wenn man bereit dazu ist.
Musste er sich gerade wirklich Tipps von Miss Hanson anhören, was er dagegen tun könnte, das die Wut aus seinem Körper entwich? Er locker, gar entspannt wurde. Oft genug hatte ihm seine Therapeutin dazu geraten, die Arbeit für einen Moment ruhen zu lassen, um selbst zur Ruhe zu kommen, wenn die innere Nervosität sich an die Oberfläche drückte. Einfach alles liegen lassen? Sowas, war für Gabriel mehr als ein Unding, immerhin hatte er wichtige Termine und Mandanten die Ergebnisse sehen wollten. Der dunkle Blick folgte der Kopfbewegung von Miss Hanson, blickte hinaus. Es war schönes Wetter, die Sonne thronte alleine am azurblauen Himmel; keine Wolke weit und breit. Der Anwalt schluckte, atme tief durch. „Vielleicht haben Sie Recht.", durchflutete die maskuline Stimme den hellen, großen Raum. Allein der Gedanke fiel ihm schwer, das Wissen, dass die Arbeit liegen bleiben würde, wenn er nun vor das Gebäude treten würde. Dennoch, es brachte ihm auch herzlich wenig, wenn er wegen dem Stimmungstief einen Fehler begehen würde. Gabriel trank den letzten Schluck Kaffee, schloss das Email-Programm, klappte das Mac zu. „Aber, das Sie mir nicht allen Seiten in meinen Akten einen Riss verpasst haben, wenn ich zurück bin.", sachte schob sich der Ansatz eines Lächeln auf seine Lippen, während er sich erhob und das Handy in die Jackettasche gleiten ließ. „Wenn Sie möchten, können Sie sich auch eine andere Akte aus dem Regal nehmen." Mit diesen Worten verabschiedete der junge Mann sich, verließ das Büro und zog die Tür im Rücken zu. „Wo willst du hin?" Gabriel hielt in seiner Bewegung inne, und wandte sich um. „Frische Luft schnappen.", gab er Lynn zur Antwort, die ihn perplex ansah, schenkte der Blonden ein Lächeln und schritt weiter auf die Aufzüge zu. War das sein Ernst? Gabriel – das Arbeitstier – Kingsley ging frische Luft schnappen? Ungläubig, blickte die junge Frau ihrem Chef nach, schüttelte sacht den Kopf.

Antworten

Michelli.

24, Weiblich

  Fan-Fiction Verfasser

Beiträge: 56

Re: I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

von Michelli. am 29.07.2019 18:35

Marie Ann Hanson
____________________________


Mr. Kingsleys Wirkung auf mich war geradezu bombastisch - nicht zu beschreiben, nicht in Worte zu fassen. Seine Ausstrahlung war respekteinflößend. Ein Blick von ihm reichte und ich verspürte das Bedürfnis ihm ein höfliches Lächeln entgegen zu bringen, anschließend meinen Kopf zu senken. Ich wollte ihm meine komplette Höflichkeit und Anerkennung entgegen bringen, die ich im Stande war aufzubringen. Ich wollte ihm zeigen, dass ich mir seiner Position hier bewusst war. Ebenso der Arbeit, die er leistete und die Erfolge, die er längst gemacht hatte. Ich wusste nicht viel über Mr. Kingsley, nicht mehr, als es die Presse in die Öffentlichkeit getragen hatte. Und obwohl es nur wenige - ausschließlich berufliche - Details waren, reichte das Wissen und sein Auftreten aus, um mich in die Ecke zu zwingen. Mich einzuschüchtern. Mich in eine Position zu drängen, in der ich mich möglicherweise gar nicht befand. Ich hatte keine Angst vor ihm - normalerweise - denn die Situation gerade war eine Ausnahme gewesen Angst hatte ich nicht, aber eine Menge Respekt. Ich wollte, dass ihm dies durchaus bewusst wurde und zwar mit jeder meiner Handlung. Ich wertschätzte sein Können, seine Fähigkeiten in diesem Bereich. Das Strafrecht war keine einfache Sache und schnell konnte man in Angelegenheiten verwickelt werden, die einem gefährlich werden konnten. Aber ich war mir sicher, selbst aus einer solchen Situation würde er sich retten können. Er war Anwalt - ein Spitzenanwalt, der für die meisten unbezahlbar wäre. Er wusste, was er tat und ich war mir sicher, dass ihn keine Situation aus der Fassung bringen konnte. Mr. Kingsley war hoch angesehen und ich konnte noch immer nicht glauben, dass ich seine Praktikantin war. Hier, in dieser Kanzlei, die Welten von meiner eigenen Welt entfernt war. Nun war es aber so und ich kam nicht nur in den Genuss auf beruflicher Ebene viel zu lernen. Nein, ich lernte auch so einiges über Mr. Kingsley. Denn hinter seiner harten Schale, seiner Mauer, seinem distanzierten Verhalten steckte mehr. Kleine Dämonen, die sich durch die Mauer zwängten. So wie gerade. Irgendetwas hatte ihn geritten, so zu reagieren und ich wusste nicht, was es war. Aber ich erfuhr mehr: Mr. Kingsley hatte eine menschliche, eine normale Seite, wie jeder sonst auch. Auch wenn man ihm nicht zutraute, das hinter dem seriösen und hochprofessionellen Mann noch jemand steckte, der möglicherweise humorvoll war und noch viele andere Eigenschaften hatten. Ich war mir sicher, er hatte sie. Und dann war da nochmal eine andere Seite, die er mir gezeigt hatte. Eine äußerst männliche, verlangende Seite. Eine fordernde Seite, die sich nahm, was sie wollte. Hier spielte auch sein Auftreten, seine dominante Ader wieder eine Rolle, denn als er mich im Restaurant in seine Arme geschlossen, mich berührt und liebkost hatte, war stets er derjenige gewesen, der die Oberhand gehabt hatte. Er hatte bestimmt, wie weit wir gingen. Er hatte beschlossen mich nun so anzufassen, mich so zu reizen. Und ich hatte mich ihm gefügt, hatte gar keine andere Wahl gehabt, denn sein Auftreten und die Wirkung seiner Nähe hatten mich willenlos gemacht. Ich war ihm ausgeliefert gewesen - auf eine verdammt angenehme Art und Weise. In den wenigen Tagen hatte er mehr über sich preisgegeben, als ich es jemals geglaubt hätte und trotzdem war es im Großen und Ganzen immer noch wenig. Ziemlich wenig. Ob es in der Zeit meines Praktikums mehr werden würde, könnte nur er sagen.
Schließlich nahm er meinen Rat an, er nahm ihn tatsächlich an und bestätigte, dass er einen Augenblick an die frische Luft gehen würde. Zufrieden über mich selbst lächelte ich, hielt den Kopf jedoch gesenkt, um es ein wenig zu verbergen. Seine maskuline, angenehme Stimme hallte noch in meinen Ohren nach und ich genoss es solange, bis es verstummt war. Dann sah ich zu ihm auf und beobachtete, wie er aufstand, das Handy in sein Jackett gleiten ließ. "Ich bemühe mich", lachte ich leise, erstaunt darüber, dass er nun schon wieder für Scherze bereit war. Damit hätte ich niemals gerechnet, aber es war erfrischend, geradezu erleichternd. Ich konnte spüren, wie sich meine Anspannung langsam wieder löste, ich meine Schultern wieder senken konnte. Ich stand nicht mehr unter Strom, wie vor wenigen Sekunden noch. "Bis gleich." Ich schenkte ihm noch ein Lächeln, blieb auf der Stelle stehen, bis ich hören konnte, wie die Tür ins Schloss gezogen wurde. Anschließend setzte ich einen Fuß vor den anderen, ließ die Absätze auf den teuren Fließen klackern, bis ich an der großen Glasfront angelangt war, die mir einen Blick nach draußen ermöglichte. Die Sonne schien angenehm durch die Fenster und ich schloss kurz die Augen, um die Sonnenstrahlen in meinem Gesicht zu genießen. Sie kitzelten meine Haut und gaben mir ein gutes Gefühl - aus irgendeinem Grund glaubte ich, dass hinter Mr. Kingsley noch so einiges steckte, worauf ich neugierig war. Natürlich war ich mir meiner Rolle als Praktikantin durchaus bewusst, doch hatte er mit seiner Annäherung im Restaurant nicht längst die Grenze zwischen Chef und Praktikantin überschritten? War da zwischen unseren Rollen nicht längst ein Bruch? Ich wusste, dass alles auf persönlicher Basis gefährlich werden konnte, aber irgendetwas an Mr. Kingsley machte mich neugierig. Und wenn ich ehrlich war, wollte ich gerade nichts lieber auf meiner Haut spüren, als seine Fingerspitzen. Lieber noch, als die Sonnenstrahlen, die meine Wangen rot färbten. Oder war es der Gedanke an seine Finger?

Antworten

Michelli.

24, Weiblich

  Fan-Fiction Verfasser

Beiträge: 56

Re: I like me better, when I'm with you. [verdun&michelli]

von Michelli. am 29.07.2019 18:36

Gabriel William Kingsley
______________________________


Ein tiefer Atemzug sog die frische, herrliche Luft in die Lungen des Mannes, welcher zugleich vor den hohen Gebäudekomplex getreten war. Er schloss kurz die Augen, richtete das Gesicht der Sonne zu und genoss einen Moment die angenehme Wärme, die sich auf der Haut verteilte. Nicht zu heiß, nicht zu kalt, einfach angenehm. Was frische Luft und ein herrlicher Sonnentag ausmachen konnte. Sofort, besserte sich die Laune von Gabriel, was ihn selbst einen Moment überraschte. Die Erinnerungen, welche kurzweilig im Büro aufkommen waren, rückten in den Hintergrund. Nur, die Arbeit wollte nicht ganz aus seinem Kopf verschwinden, immerhin machte sich diese nicht von alleine. Er war zwar Chef, konnte manche Mandanten anderen Anwälten in seiner Kanzlei zuweisen, aber nicht jeden. Zumal nicht nur er mit dem Strafrecht zu tun hatte, sich in diesem Bereich auskannten, sondern auch genug andere. Dennoch, waren genug Mandanten ziemlich wählerisch und wollten sich weiterhin von Gabriel betreuen lassen. Die Gedanken lösten sich in Luft aus, als der junge Mann den ersten Schritt tat, über die Straße ging, um zur nahegelegenen Themse zu gelangen. Der Weg war nicht weit und viele Menschen befanden sich nicht auf der Straße. Es war Vormittag, die meisten saßen am Schreibtisch und taten ihre Arbeit, die am heutigen Tag erledigt werden wollte. Die meisten, nur nicht Gabriel. Von weiten erblickten die dunklen Augen, die glänzende Oberfläche der Themse, welche sachte Wogen in der Sonne schlug.
Die Hände legten sich auf das Geländer nieder, währen der Blick über das Wasser des Flusses glitt. Die Stille umgab den Mann, hielt ihn fest und lockerte die verspannte Muskulatur. Ab und an schrie eine Möwe, überflog die Themse und landete auf den sanften Wellen. Für einen Moment schloss Gabriel die Augen, konzentrierte sich auf die Stille, auf den sachten Wind, welcher mit den Blättern der Bäume spielte. Verdrängen, konnte sich so schön anfühlen, obwohl es vollkommen falsch war. Das Leben konnte so schön sein, wenn es keinen Grund zum Verdrängen geben würde. Ja, wenn es keine dunkle Vergangenheit mit schmerzhaften Erinnerungen geben würde, die einen Tag ein, Tag aus quälte. Keine Narben, keine Trauer. Keine Schuld, keine Dämonen. Am Ende war man nicht der einzige Mensch mit solcher Last, behielt diese lieber für sich, als jemand damit zu belasten. Wer hatte schon ein perfektes, sorgenloses Leben? Von außen, scheint es perfekt zu sein, aber die Risse bewegen sich lautlos unter der Oberfläche. Von innen, wird es wohl niemand zu sehen bekommen, man muss ja den äußeren Schein wahren, damit die Fassade nicht anfing zu bröckeln. Vielleicht braucht man einen Mut, Vertrauen und einen guten Wille, um sich denjenigen zu öffnen, bei dem man sich wohl fühlt. In Lynn hatte Gabriel solch einen Menschen gefunden, dem er vertrauen konnte, der ihm zuhörte, aber ihn auch irgendwie verstehen konnte. Es war eine gute Beziehung, die beide mit viel Sorgfalt hegten und pflegten – aufgebaut auf Vertrauen und Gefühlen, die weit von Liebe entfernt war. Sie mochten sich, sie respektieren sich. Ob man es Liebe nennen konnte, war fragwürdig.
Kraftvoll stießen sich die rauen Hände von dem Stück Metall ab, verweilt nicht länger auf dem glänzenden Geländer. Gabriel machte sich auf den Weg zurück zum hohen Gebäudekomplex, in dem seine Kanzlei lag. Die Anspannung war gewichen, und ein sachtes Lächeln zierte seine Lippen. Er begrüßte einen älteren Mann, der ihm mit seinem Hund entgegen kam, sah den beiden einen Moment lang da, wodurch sich der Gedanke einen eigenen Hund anzuschaffen, wieder in sein Bewusstsein drückte. Mit schnellen Schritten überquerte der Anwalt die Straße, trat in die große, helle Lobby ein und begab sich zu den Aufzügen, welche ihn zurück zu seinem Büro bringen würden. Gemütlich ging Gabriel den langen Flur entlang, begrüßte ein paar Mitarbeiter mit knappen Worten, aber sanften Lächeln, ehe seine Hand den Griff der Tür umfasste, um diese zu öffnen. Miss Hanson erblickte er nicht auf der Couch, sondern sie stand an der großen Fensterfront, sah womöglich hinaus; der Blick war einfach atemberaubend. Das Lächeln verweilte weiterhin auf seinen Lippen, als er die Tür hinter seinem Rücken leise ins Schloss zog. Behutsam näherte er sich der junge Frau, die mit dem Rücken zu ihm stand. Er wollte sie sicherlich nicht erschrecken, aber am Ende würde es wohl darauf hinauslaufen. Weniger Zentimeter, ohne die junge Frau zu berühren, die Händen in den Taschen seiner Anzugshose, kam Gabriel zum Stillstand. „Allein die Aussicht, ist es wert jeden Tag in das Büro zukommen.", erklang die maskuline Stimme, gedämpft, herrschte sonst Stille im hellen Büro. Der Blick von der Dachterrasse seiner Penthouses war auch einmalig, aber man konnte von dort nicht über die Themse, in die Weite blicken.

Antworten
1  |  2  |  3  |  »  |  Letzte

« zurück zum Forum